Seit Juli kauft die neuseeländische Regierung von ihren Bürgern Waffen zurück, die durch ein Verbot als Reaktion auf die Bluttat von Christchurch illegal geworden sind. Das Angebot kommt an.

10.242 Feuerwaffen - das ist das bisherige Ergebnis eines Rückkaufprogramms der Regierung von Neuseeland. Nach Angaben des britischen "Guardian" kam diese erhebliche Zahl von Waffen binnen nur eines Monats zusammen. Das Programm wurde Mitte Juli gestartet.

Es folgt auf ein Verbot der meisten automatischen und halbautomatischen Waffen, das das Parlament im April mit 119 zu 1 Stimmen verabschiedet hatte. Der Schritt war als Reaktion auf das Attentat von Christchurch im März, bei dem ein Mann 51 Menschen erschossen hatte, eingeleitet worden.

Bei den mehr als 90 Veranstaltungen seien laut Polizei rund 7000 Waffenbesitzer erschienen und hätten gegen Geld ihre Waffen abgegeben. 150 Millionen neuseeländische Dollar (rund 86 Millionen Euro) hat die Regierung für den Rückkauf bereitgestellt.

Weitere 1269 Waffen seien im Rahmen eines Sonderprogramms zusammengekommen. Hier können Waffen abgegeben werden, auch wenn die Herkunft unklar oder kein Waffenschein vorhanden ist. Rechtliche Folgen müssen die Waffenbesitzer nicht fürchten.

Neuseelands Premier Jacinda Ardern hatte nach den schockierenden Vorfällen von Christchurch schnelle Schritte angekündigt, um der Verbreitung derartiger Waffen in ihrem Land entgegenzuwirken. Schätzungen zufolge gibt es in Neuseeland 13.500 halbautomatische Waffen. Eine solche hatte auch der Attentäter von Christchurch verwendet. Diese Waffen gelten als besonders gefährlich, weil die Patrone beim Abdrücken sofort nachgeladen wird.

Viel Lob - aber auch Kritik aus Waffenverbänden

Geschätzte 1,2 bis 1,5 Millionen Waffen befinden sich in Neuseeland insgesamt in Privatbesitz. Durch das neue Gesetz illegal gewordene Waffen können noch bis zum 20. Dezember abgegeben werden. Bis zu diesem Zeitpunkt gibt es sogar noch Geld dafür. Danach droht beim Besitz der meisten automatischen und halbautomatischen Waffen eine Strafe.

Waffen- und Jagdverbände haben die Regelung kurz nach ihrer Einführung kritisiert. Sie stören sich unter anderem an der angeblich zu niedrigen Kompensation der Waffenbesitzer. Es könne zudem nicht sein, dass die Bluttat einer einzelnen Person zu Repressalien gegen eine ganze Gruppe führen würde.

Vergleichbare Rückkaufprogramme hatte es in der Vergangenheit unter anderem in Australien und Brasilien gegeben.  © SPIEGEL ONLINE