Grossbritannien macht es vor: Premierminister Boris Johnson hat eine Kampagne ins Leben gerufen, die übergewichtige Bürger zum Abnehmen auffordert. Diese sind nämlich einem höheren Risiko einer schweren COVID-19-Erkrankung ausgesetzt. Auch in der Schweiz machen Verbände auf das Problem aufmerksam.

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Am Montag hat Boris Johnson in Grossbritannien eine Kampagne lanciert, die die Pfunde bei den Briten purzeln lassen soll. Der Hintergrund: 63 Prozent der Bevölkerung schleppe zu viel Körpergewicht mit sich herum. Dieser Faktor begünstigt im Infektionsfall einen schlimmeren Verlauf von COVID-19. Auch in der Schweiz bemühen sich Gesundheitsverbände nun um eine intensivere Aufklärung rund um gesunde Ernährung und Sport.

Personen mit einem BMI von über 30 seien bei den wegen Corona hospitalisierten Personen überrepräsentiert, erklärt Jonas Montani, Mediensprecher des Bundesamts für Gesundheit (BAG), im Interview mit "20 Minuten". Diese Personen scheinen laut Montani zudem ein erhöhtes Risiko für eine Aufnahme in der Intensivstation zu haben. Das BAG stuft Personen mit einem BMI von über 40 als "besonders gefährdet für schwere Verläufe bei COVID-19" ein.

Werbeverbot für zuckerhaltige Produkte?

"Die Gefährlichkeit von Corona im Zusammenhang mit Fettleibigkeit zeigt auf, dass wir unser Engagement in diesem Bereich dringend verstärken müssen", erklärt Heinrich von Grünigen, Präsident der Schweizerischen Adipositas-Stiftung, im "20 Minuten"-Interview. Die Bekämpfung von Fettleibigkeit könne langfristig das Gesundheitssystem entlasten und eine gesunde Bevölkerung habe weniger Probleme mit der Bewältigung einer Pandemie.

Konkret strebt von Grünigen mehr Subventionen für Gemüse und ein Werbeverbot für besonders zucker- oder fetthaltige Produkte für Kinder an. Diese Werbungen seien "eine gesundheitspolitische Katastrophe", erklärt Ursula Zybach, Präsidentin des Fachverbands Public Health Schweiz. Zybach sieht die Politik in der Pflicht, Industrie und Werbung entsprechend zu regulieren.

Zwang zu gesunder Ernährung nicht umsetzbar

Gregor Rutz, SVP-Nationalrat und Präsident der IG Freiheit, sieht ein mögliches Eingreifen des Staates hingegen als problematisch an. Dass es Fachstellen gebe, die über gesunde Ernährung und die Wichtigkeit von ausreichend Bewegung informieren, sei richtig und wichtig. Der Staat könne hingegen die Menschen nicht zwingen, sich gesund zu ernähren. "Und solange man ein Produkt legal kaufen kann, muss man es auch legal bewerben können."  © 1&1 Mail & Media/spot on news

Boris Johnson geht mit gutem Beispiel voran: Die Briten sollen zum Selbstschutz abnehmen

Die britische Regierung plant, Millionen Pfund in eine Kampagne gegen die Pfunde zu investieren. 63 Prozent der Bevölkerung schleppe zuviel Körpergewicht mit sich herum. Dieser Faktor begünstigt im Infektionsfall einen schlimmeren Verlauf von COVID-19.