Das Pflegepersonal ist im Dauerstress, während der zweiten Welle der Coronavirus-Pandemie ist es besonders gefordert. In der aktuellen Protestwoche fordern Arbeitende in Gesundheitsberufen mehr Anerkennung.

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Im Zeitraum vom 26. bis 31. Oktober organisiert das sogenannte Bündnis der Gesundheitsberufe eine Protestwoche: "Um weiterhin die jetzige Gesundheitskrise sowie künftige Krisen bewältigen zu können, braucht es einen starken Service public mit guten Arbeitsbedingungen", fordert das Bündnis. Das Ziel seien bessere Arbeitsbedingungen für das Gesundheitspersonal und die "längst überfällige Aufwertung der Gesundheitsberufe".

Die Coronakrise habe das Gesundheitspersonal "physisch und psychisch einer ausserordentlichen Belastung und Gefährdung ausgesetzt". Die Bevölkerung habe das Personal mit Applaus gewürdigt, doch damit dürfe es nicht aufhören. Das Bündnis der Gesundheitsberufe fordert deswegen eine Corona-Prämie, die mindestens einem Monatslohn entspricht, mehr Rechte am Arbeitsplatz, die mit mehr Mitsprache und besserem Schutz einhergehen, sowie bessere Arbeitsbedingungen. Den Höhepunkt der Protestwoche bildet am Freitag (31. Oktober) eine symbolische Aktion auf dem Bundesplatz in Bern.

Pflegepersonal auch in ruhigen Zeiten "am Limit"

Im Gespräch mit dem Nachrichtenportal "20min.ch" haben sich einige Pflegefachkräfte über ihre Situation geäussert. Sie denken demnach über einen Streik nach. "Jedoch haben wir eine zu grosse Verantwortung und Mitleid mit den Menschen, die nichts dafürkönnen. Deshalb würden wir niemals streiken", erklärt eine Pflegefachfrau aus einem Spital im Kanton Zürich.

"Am Limit" würde das Pflegepersonal auch "in ruhigen Zeiten" laufen. "Alles, was der Patient verdient, ihm zuzuhören und auf ihn einzugehen, ist nicht mehr da. Es geht nur noch darum, etwas 'schnell, schnell' zu machen, damit es erledigt ist. Zurück bekommt man null Dankbarkeit", erzählt die Pflegefachfrau.

"Die Arbeitsbedingungen müssen sich unbedingt verbessern", fordert auch eine Pflegefachfrau in einem Zentralschweizer Spital. "Ansonsten sind die Zustände, gerade wenn die zweite Welle lange dauert, für das Personal nicht mehr tragbar." Sie könne schon jetzt nicht mehr allen Patienten gerecht werden. "Einen Patienten, der kürzlich an Corona starb, musste ich sechs Stunden lang im Zimmer liegen lassen. Dabei hatte ich das Gefühl, die Würde des Patienten nicht mehr respektiert zu haben. Ich konnte ihn nach dem Tod nicht gleich herrichten", erzählt sie.

Wie reagiert die Politik auf die Forderungen?

"Nach der ersten Welle waren wir enttäuscht, dass die Politik nichts unternommen hat", erklärt Yvonne Ribi, Geschäftsführerin des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK), laut "20min.ch". Erschöpfte Mitarbeiter würden vermehrt krankheitsbedingt ausfallen, auch durch Burn-outs. Somit steige auch die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen und Behandlungsfehler. "Ist das Personal ständig erschöpft, schneiden wir uns ins eigene Fleisch", sagt Ribi.

Geht die Politik auf die Forderungen ein? "Die Politik hat überall Geld verteilt – von den Medien bis zu den Schaustellern, aber nicht bei den Pflegenden", erklärt GLP-Nationalrätin Judith Bellaiche. Man habe unterschätzt, dass das Pflegepersonal "auch im Sommer nicht zur Ruhe gekommen ist".

Laut Bellaiche brauche es Sofortmassnahmen. "Die Kantone sollten Mittel bereitstellen, um beispielsweise Aussteiger zurückzuholen oder pensionierte Fachkräfte aus dem Ruhestand zu holen. Auch über die Entlohnung müsse man sprechen, um den Beruf wieder attraktiver zu machen", sagt die GLP-Nationalrätin.

Coronakrise nicht für Lohnforderungen missbrauchen

Ruth Humbel, CVP-Nationalrätin und Präsidentin der Gesundheitskommission, merkt an, dass die Politik bereits dabei ist, eine Ausbildungsinitiative zu starten. Pflegepersonal in Ausbildung solle in Zukunft eine Lohnzulage erhalten. Personal auf COVID-Stationen habe einen Bonus verdient, sagt sie – die Initiative müsse allerdings von den Kantonen kommen.

Trotzdem dürfe die Coronakrise laut Humbel nicht für Lohnforderungen missbraucht werden. "Pflegende haben gesetzlich vorgeschriebene Arbeitszeiten, einen sicheren Job und ein sicheres Einkommen. Dies im Gegensatz zum Wirt oder Coiffeur, die in ihrer Existenz bedroht sind", erklärt die CVP-Nationalrätin. Es sei deshalb "korrekt", dass vor allem diese Branchen von der Wirtschaftshilfe profitieren.  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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