Das Landgericht Dessau-Rosslau hat den Vergewaltiger und Mörder einer chinesischen Studentin zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Seine mitangeklagte Ex-Partnerin erhielt am Freitag eine Jugendstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten wegen sexueller Nötigung.

Der 21-Jährige und seine gleichaltrige Ex-Partnerin wurden zu einer Schmerzensgeldzahlung in Höhe von insgesamt 60.000 Euro verurteilt. Beide nahmen das Urteil ohne Regung entgegen.

Richterin: "Ein unfassbares Verbrechen"

Der Fall hatte wegen der unfassbaren Grausamkeit und Brutalität der Tat für viel Aufsehen gesorgt. Viele Zuschauer während der Verhandlungen im Saal des Landgerichts Dessau-Rosslau zeigten sich ob der furchtbaren Details schockiert.

Die Vorsitzende Richterin Uda Schmidt sprach von einem "unfassbaren Verbrechen".

Die Studentin habe ihr Leben lassen müssen, damit die Angeklagten ihre sexuellen Fantasien hätten ausleben können.

Mehrfach vergewaltigt und zu Tode gefoltert

Die nun verurteilte junge Frau soll die Chinesin im Mai 2016 bei einer Joggingrunde abgefangen und mit der Bitte um Hilfe wegen eines Notfalls in die Wohnung des Paares gelockt haben.

Die Chinesin war bereit zu helfen, wurde aber laut Anklage sogleich mit Gewalt in die leerstehende Wohnung geschleppt. Sie soll heftige Gegenwehr geleistet haben.

Laut Staatsanwaltschaft vergewaltigten beide deutsche Angeklagte die 25-Jährige Architekturstudentin dort mehrfach und folterten sie so stark, dass sie starb.

Die schwer entstellte Leiche mit zahlreichen Verletzungen am gesamten Körper war am 13. Mai nach aufwendiger Suche unter einer Konifere in der Nähe des Tatortes gefunden worden.

Vor Gericht wurde anhand der Verletzungen festgestellt, dass die chinesische Studentin während des gesamten Martyriums unvorstellbare Schmerzen durchlitten haben musste.

Haupttäter verfolgte Verhandlung teilnahmslos

Der Mittäterin war zugute gehalten worden, dass sie vor Gericht Reue und Scham zeigte - im Gegensatz zu ihrem Ex-Partner. Der hatte zu den Vorwürfen geschwiegen und war teilnahmslos den mehr als 30 Verhandlungstagen gefolgt.

Die Verteidiger der beiden Angeklagten hatten deutlich mildere Strafen von zehn und drei Jahren Haft beantragt, aus ihrer Sicht lag kein Mord vor.

Für den 21-Jährigen Mann beantragten die Anwälte eine zehnjährige Jugendstrafe wegen Vergewaltigung mit Todesfolge.

Für seine mitangeklagte Ex-Partnerin forderten deren Verteidiger eine dreijährige Jugendstrafe wegen Vergewaltigung in besonders schwerem Fall.

Ein psychiatrischer Sachverständiger war zu einem anderen Ergebnis gekommen und hatte sich für die Anwendung des Erwachsenen-Strafrechts ausgesprochen.

Der Experte hatte gesagt: "Ich sehe die Persönlichkeit nicht mehr als unreif, sondern als massiv gestört." Aussergewöhnliche Empathielosigkeit, Gefühlskälte und ein Hang zum Sadismus kennzeichneten den 21-Jährigen.

Entsetzen in Dessau über Gewalttat

Die Straftat hatte in Dessau-Rosslau Bestürzung und Entsetzen ausgelöst - nicht nur wegen der Brutalität, sondern auch, weil der Angeklagte aus einer Polizistenfamilie stammt.

Die Mutter hatte anfangs - als es noch keine Tatverdächtigen gab - an den ersten Befragungen in dem Fall mitgewirkt.

Es gab Vermutungen, wonach die Eltern Einfluss auf die Ermittlungen haben könnten - inzwischen ist der Verdacht ausgeräumt.

Empörung verursachte auch, dass die Eltern des Angeklagten einen Tag nach der Trauerfeier für die Getötete eine Eröffnungsparty für ein Gartenlokal in Dessau feierten.

Die Eltern der Chinesin traten im Prozess als Nebenkläger auf. Sie waren zum Prozessauftakt in Dessau allerdings nicht dabei.

"Sie wollen nicht kommen, weil sie sich die Details nicht antun möchten", erklärte damals Nebenklagevertreter Sven Peitzner. "Es ist eine Katastrophe für die Familie."

Sie hätte ihre Tochter mit den besten Absichten zum Studieren nach Deutschland geschickt.