Eigentlich war ein 60-jähriger Mann das Opfer eines Einbruchs, doch jetzt muss der Bieler selbst ins Gefängnis. Ein Gericht entschied, dass der anschliessende Balkon-Sturz des Eindringlings dem Mann als Tötungsversuch ausgelegt werden muss.

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Vom Opfer zum Täter innerhalb weniger Minuten. Ein 60-jährige Mann aus Biel im Kanton Bern muss für mindestens ein Jahr hinter Gitter, obwohl eigentlich bei ihm eingebrochen wurde. Das berichtet unter anderem das „Bieler Tagblatt“.

Was genau war passiert? Der Vorfall ereignete sich bereits am 16. Juli 2015. Um 5.05 Uhr in der Früh bemerkte der Mann, dass ein Einbrecher in seiner Wohnung sein Portemonnaie gestohlen hatte. Der Bieler ertappte jedoch den Eindringling auf frischer Tat und schlug ihn zunächst erfolgreich in die Flucht.

Der Dieb wollte anschliessend über den Balkon entkommen und klammerte sich an der Brüstung fest. Der Bestohlene haute ihm dabei so fest auf die Finger, dass der Einbrecher sich nicht mehr halten konnte und fast zehn Meter in die Tiefe stürzte. Dabei verletzte der sich schwer und musste mehrfach operiert werden.

Regionalgericht lässt Milde walten

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland verurteilte den 60-Jährigen zu drei Jahren Haft. Ein Jahr davon muss er tatsächlich absitzen. Das Gericht liess bei seinem Urteil sogar ein Hauch von Milde walten: Der Faustschlag sei nur ein Tötungsversuch mit Eventualvorsatz gewesen.

Der Bieler habe also billigend in Kauf genommen, dass der Dieb durch den Sturz sterben könnte. Zuvor hatte seine Verteidigung vergeblich argumentiert, dass der Dieb „sowieso runtergefallen“ wäre, und einen Freispruch gefordert. Es sei nur ein Unfall gewesen.

Interessantes Detail: Der Eindringling war der Nachbar des 60-Jährigen. Dieser war am besagten Morgen betrunken und unter Drogen stehend in seine Wohnung eingedrungen. (dr)  © 1&1 Mail & Media / SN

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