Schockierendes Geständnis von Köbi Kuhn: Laut eigenen Angaben wurde der ehemalige Nationaltrainer als Kind von einem älteren Vereinskollegen sexuell belästigt.

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Vor seiner Karriere als einer der erfolgreichsten Schweizer Fussballspieler und Trainer hat Köbi Kuhn offenbar eine traumatische Erfahrung gemacht. Wie der Ex-Nati-Trainer in seiner Autobiografie schreibt, soll er als Kind von einem älteren Vereinskollegen sexuell missbraucht worden sein. Das berichtet "blick.ch", die einen Auszug seines Buches publizierte, das am 18. April erscheinen soll.

Kuhns Naivität wurde ausgenutzt

"Manche Dinge brauchen Jahre oder gar Jahrzehnte, um sie zu verarbeiten. Und manches vergisst man nie", schreibt Kuhn demnach in einem Kapitel. Als Frischling bei seinem ersten Verein habe ein älterer Kollege Kuhns Offenheit ausgenutzt und sich zuerst platonisch mit ihm angefreundet. Eines Tages sei er zu ihm nach Hause eingeladen worden - Kuhn begleitete seinen Fussballspezl. "Als wir allein waren, hat er mich benutzt, um sich selbst zu befriedigen, und mich gezwungen, mitzumachen."

Der Zürcher habe sich sehr geschämt. "Ich stand unter Schock und konnte mich nicht wehren." Aus Angst vor Konsequenzen habe er weder seinen Eltern noch seinem Trainer von dem Vorfall erzählt.

Darum bricht er jetzt sein Schweigen

Obwohl Kuhn sich jahrelang Gedanken über den Missbrauch gemacht habe, versuchte er ihn zu verdrängen und sein Leben normal weiterzuführen.

Der Wendepunkt sei 2016 gekommen, als immer mehr derartige Fälle von sexuellem Missbrauch im Fussball ans Licht gebracht wurden. "Als junger Mensch hätte mich das beinahe aus der Bahn geworfen. [...] Das Schicksal dieser Kinder in den Zeitungen berührte mich zutiefst. Ich konnte nicht mehr schweigen." Er habe sich ein Herz gefasst und seiner Frau von dem Missbrauch erzählt.

Kuhn hat laut eigenen Angaben auch die Clubverantwortlichen mit seiner Geschichte konfrontiert - doch dort sei er auf taube Ohren gestossen. "Man hat mich abgekanzelt, hinterfragt, warum ich erst jetzt, nach all den Jahren, komme."

Mit seiner Autobiographie wolle er nun anderen Betroffenen Mut machen: "Ich hoffe, dass meine Offenheit etwas bewirkt. Wer Verantwortung für Kinder im Fussball übernimmt, muss diese auch wahrnehmen."

Hilfe bei sexuellem Missbrauch oder einer Vermutung, dass im familiären oder sozialen Umfeld eines Kindes "etwas" nicht stimmt, bietet die Opferhilfe Ihres Kantons. (jkl)


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