Tropenkrankheiten in der Schweiz – kann das wirklich sein? Die "Allianz Gesundheitsberufe fürs Klima Schweiz" warnt vor einer akuten Gesundheitsbedrohung und ruft zum Handeln auf. Doch aus Medizin und Politik werden Gegenstimmen laut.

Mehr aktuelle Themen finden Sie hier

"Die Klimakatastrophe birgt die grösste existenzielle Bedrohung der Menschheit im 21. Jahrhundert", heisst es in dem von Ärzten, Pflegefachpersonen, Hebammen und Physiotherapeuten aufgesetzten "Notruf zum Handeln".

Neben der erhöhten Sterblichkeit von älteren und chronisch kranken Menschen geht es der "Allianz Gesundheitsberufe fürs Klima Schweiz" vor allem um eines: das Ausbrechen sowie die Verbreitung von Tropenkrankheiten in der Schweiz so gut es geht zu verhindern.

Bringt die Hitze Malaria, Denguefieber und Co.?

Im Sommer 2019 wurden hierzulande gebietsweise bis zu 40 Grad Celsius gemessen. Ein wahres Biotop für tropische und subtropische Erreger. Pietro Vernazza, Mitglied der "Allianz Gesundheitsberufe fürs Klima Schweiz" und Chefarzt am Kantonsspital St. Gallen, wird von "20min.ch" zitiert:

"Die Klimaerwärmung zeigt heute schon eine Ausbreitung der tropischen Mücken gegen Norden, zum Beispiel in der Karibik und Florida, aber auch in Italien. Reduzieren wir die Treibhausgase bis 2050 nicht auf netto null, besteht die Gefahr, dass man sich in Zukunft in der Schweiz mit Malaria, Denguefieber und weiteren Infektionen wie Chikungunya oder dem West-Nil-Virus anstecken kann."

Alles nur Panikmache?

Das Ziel der Allianz sei es, die Politik zum Handeln zu bewegen. "Die Politik muss etwas gegen Klimawandel unternehmen, will sie die Gesundheit der Schweizer nicht aufs Spiel setzen", so Vernazza.

Doch nicht alle scheinen seine Ansichten zu teilen. So meint etwa Gesundheitspolitiker Sebastian Frehner, dass die gesundheitliche Bedrohung "arg weit hergeholt" und "nicht mehr als eine unbedarfte Propagandaaktion der Klimaaktivisten" sei.

Immunologe Beda M. Stadler pflichtet dem SVP-Nationalrat bei. Zwar streite er die Auswirkungen des Klimawandels keinesfalls ab, Tropenkrankheiten sollten in seinen Augen jedoch "nicht zur Panikmache missbraucht werden".

"Wir haben immer noch saukalte Winter. Die Mücken können so nicht überleben", erklärt Stadler. Bis Tropenkrankheiten in der Schweiz Einzug halten würden, dauere es noch Jahrzehnte. (cos)  © 1&1 Mail & Media / SN