Nach einer Flixbus-Fahrt von Zürich nach Bologna war der Koffer einer 45-jährigen Frau verschwunden. Nun macht sie ihrem Ärger Luft und möchte andere Reisende auf einen möglichen Gepäck-Verlust aufmerksam machen.

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Um ihre kranke Mutter zu besuchen, reiste L.V. gemeinsam mit ihrem Bruder am 30. September von Zürich nach Bologna. Da die Reise spontan war, "buchten wir eine Fahrt bei Flixbus", erklärt die Schweizerin gegenüber "20min.ch". Als der Bus jedoch am geplanten Reiseziel ankam, war der Koffer von L.V. verschwunden.

"Das passiert oft"

Die 45-Jährige sei davon ausgegangen, dass das Gepäck von den Busfahrern stetig überwacht werde. Zwischenzeitlich habe der Bus einen Stopp in Mailand eingelegt, in einer Gegend, die laut der Reisenden bekannt für ihre Kriminalität sei. Dort seien die Kofferraumklappen zwar geöffnet, aber nicht beaufsichtigt worden. Als sie schliesslich die beiden Busfahrer wegen ihres verschwundenen Gepäcks ansprach, hätten diese nur geantwortet: "Das passiert oft."

"Ich fand das frech. Ich sagte ihnen, dass sie es überwachen müssten oder man es stattdessen in den Fahrraum nehmen dürfen müsste", so L.V. Die Fahrer hätten jedoch erklärt, dass das nicht in ihrem Vertrag stünde und somit nicht ihre Aufgabe sei.

Verlust von 4.400 Franken

Die Frau erstattete daraufhin Anzeige bei der Polizei in Bologna. Darüber hinaus habe sie auch Flixbus noch einmal verständigt: "Da musste ich ein Gesuch stellen. Sie sagten mir dann, sie würden sich darum kümmern." In ihrem Koffer wäre zudem teure Marken-Kleidung gewesen, darunter Schals von Dolce & Gabbana und Guess sowie ein Ferragamo-Parfüm und eine Louis-Vuitton-Tasche. Insgesamt soll der Inhalt einen Wert von 4.400 Franken haben.

Nun möchte L.V. den Betrag von Flixbus erstattet bekommen. Ausserdem erwarte sie von dem Unternehmen, dass dieses die Fahrgäste künftig genauer darüber informiere, inwieweit diese auf ihr Gepäck zu achten haben. Mit ihrem Bericht möchte sie andere Flixbus-Reisende darauf aufmerksam machen, "dass [ihr] Gepäck unbemerkt entwendet werden kann".

Flixbus bezieht Stellung

Sebastian Meyer, Mediensprecher bei Flixbus, hat sich zu dem Vorfall geäussert. Mit der steigenden Fahrgast-Anzahl vermehre sich auch das Volumen des Gepäcks und somit auch die Zahl der abhandengekommenen Koffer.

"Um Vertausch oder Verlust des Gepäcks zu vermeiden, raten wir Fahrgästen, ihr Gepäck mit dem bei der Buchung mitversandten Gepäckband zu kennzeichnen und Wertsachen als Handgepäck mit in den Innenraum zu nehmen", erklärt Meyer. Zudem seien die Busfahrer dafür verantwortlich, "die offene Gepäckklappe während des Eincheckens immer im Blick zu behalten".

Um dem Problem entgegen zu wirken, sei jetzt ein Pilotprojekt gestartet worden. Dafür wurden in einigen Bussen Kameras in den Gepäckräumen installiert. "Neben einer abschreckenden Wirkung auf Diebe sollen die Bilder der installierten Kameras zudem die Zuordnung von Gepäck erleichtern", sagt Meyer.

Laut des Flixbus-Sprechers sei das Unternehmen bei einem Gepäckverlust dennoch nur begrenzt haftpflichtig, da es nach EU-Richtlinien ein Linienbetreiber ist. Somit gelten für Flixbus andere Regelungen als für klassische Reiseanbieter. Alternativ könne man sich in der Schweiz unter Einschluss einer entsprechenden Versicherungssumme bei der Hausratsversicherung gegen einen Diebstahl ausser Haus versichern. (eee)  © 1&1 Mail & Media / SN