Vergewaltigung, Nötigung und Raub – schwere Vorwürfe, denen sich ein Mann aus Thun nun vor Gericht stellen muss. Er soll Frauen überfallen haben und das von seinem Töffli aus.

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Von August 2015 bis November 2016 gingen auffallend häufig aussergewöhnliche Entreissdiebstähle bei der Polizei Thun ein. Ein Unbekannter näherte sich nachts Frauen, die mit dem Velo auf dem Heimweg waren, wie "20min" berichtet. Als er mit dem Töffli an ihnen vorbeifuhr, entriss er ihnen die Wertsachen und machte sich aus dem Staub.

Die Polizei vermutet einen Serientäter

Doch nicht nur das: Mehrere bestohlene Frauen hatten zudem das Gefühl, der Unbekannte hätte sie abgepasst, sie beinahe verfolgt. Lange wussten die Behörden von Thun nicht, mit wem sie es zu tun haben. Nun sitzt ein 33-Jähriger vor Gericht, bei dem es sich um den Unbekannten handeln soll. Die Vorwürfe: Vergewaltigung, Nötigung und Raub. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von drei Jahren – 18 Monate davon hinter Gittern.

Wie kam die Polizei auf den Mann? Sie vermutete einen Serientäter hinter den Entreissdiebstählen und erkannte ein Muster bei dem Tatverdächtigen, dessen Gegenwart und Vergangenheit gegen ihn sprachen:

Sämtliche Taten wurden in seiner Umgebung begangen, auch ist der Mann stets mit dem Töffli unterwegs. Ausserdem beging er bereits 14 Jahre zuvor genau solche Entreissdiebstähle. Die Polizei wurde auch wegen einer Anzeige vom Sommer 2018 auf den Thuner aufmerksam. Eine junge Frau beschuldigte den Töffli-Fahrer der versuchten Vergewaltigung.

"In dubio pro reo"

Sie hätte den Nachbarn am Abend in einer Bar in Thun getroffen. Danach hätte er ihr angeboten, sie auf dem Gepäckträger seines Töfflis nach Hause zu fahren. Doch auf dem Weg soll die Situation eskaliert und der Mann übergriffig geworden sein: "Ich habe so fest gekämpft, wie ich nur konnte", wird das Opfer während der Gerichtsverhandlung aus den Akten zitiert.

Nach Angaben der Verteidigung gebe es gegen ihren Mandanten weder stichhaltige Beweise, dass der Tatverdächtige mit den Entreissdiebstählen und dem Raub etwas zu tun habe, noch sei ihm die versuchte Vergewaltigung nachzuweisen, wie "20min" berichtet. Das Urteil des Gerichts wird am 27. November gegen Nachmittag erwartet. (kms)  © 1&1 Mail & Media / SN