Vergangenen Freitag wurde weltweit für ein sauberes Klima demonstriert. Zehntausende Schüler gingen auch in der Schweiz für besseren Klimaschutz auf die Strasse. Einige wie sich jetzt herausstellt, wohl nicht ganz freiwillig.

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"Wacht auf!", "Wir sind jung und brauchen die Welt" oder "Schluss mit der Zerstörung": Am vergangenen Freitag gingen zehntausende Schüler mit solchen Plakaten in Bern, Thun und Biel auf die Strassen, um sich für einen besseren Klimaschutz einzusetzen.

Weltweit demonstrierten unter dem Motto "Fridays for future" mehr als 1,6 Millionen Menschen in 120 Ländern für eine bessere Klimapolitik.

In den Reihen der Demonstranten befanden sich unter anderem drei Klassen der Oberstufenschule Frutigen BE. Doch sie sollen nicht ganz freiwillig zum Klimastreik gegangen sein, wie "nau.ch" berichtet.

Brief an Eltern mit genauen Abfahrtszeiten

Einem Bericht von "Tele Bärn" nach war für gewisse Schüler der Oberstufe Frutigen BE die Teilnahme an den Klimademonstrationen nach einem verschickten Brief einer Lehrperson obligatorisch - oder für die Eltern zumindest nicht klar als freiwillige Exkursion gekennzeichnet.

Im Brief stand demnach, wann die Klassen nach Thun zur Demo abfahren und dass der Unterricht nach Ende der Demonstration abgeschlossen sei.

Im Rahmen des geschichtlichen Themas "das politische System der Schweiz" mache man "von unserem Recht auf freie Meinungsäusserung Gebrauch", schrieb die Lehrperson. Die Reisekosten seien ausserdem von der Schule übernommen.

Grossrat sieht Vertragsbruch der Schule

Für SVP-Grossrat Samuel Krähenbühl ist der gemeinsam besuchte Klimastreik ein eindeutiger Vertragsbruch und verfassungswidrig.

"Es darf doch nicht sein, dass Jugendliche von der Schule derart zu politischen Zwecken instrumentalisiert werden", sagte Krähenbühl, der in der Bildungskommission des Grossen Rates sitzt. Er verwies auf Artikel 43 der Kantonsverfassung, wo es heisst: "Der Unterricht ist konfessionell und politisch neutral."

Ein Mittelweg, wie den Klimastreik im Unterricht behandeln oder den Schülern dafür frei zu geben, wäre zulässig gewesen. Eine Demonstration als Schul-Exkursion sei jedoch verboten.

Das sagt die Schule zu den Vorwürfen

Der Schulleiter widersprach: Die Teilnahme sei freiwillig gewesen. Man habe den Schülern mündlich mitgeteilt, dass diejenigen, die nicht demonstrieren wollen, Unterricht in Parallelklassen haben könnten.

Im Brief an die Eltern stand von dem Alternativprogramm jedoch nichts.

Der Regierungsrat berät momentan über den Fall, für die Schule wird die Klimademo aber keine Konsequenzen haben. (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN

Für die einen ist sie eine Heilige, gar eine Prophetin, für andere im besten Fall ein Instrument ihrer Eltern, im schlimmsten Fall ein "plärrendes Kind" oder "psychisch sehr labiles Mädchen": Bei der 16-jährigen Schülerin Greta Thunberg gehen die Meinungen auseinander, oftmals auch über die Grenzen des Anstands und der reinen Kritik hinaus.