Seit Jahren kämpft ein Opernsänger vor Gericht gegen das Zürcher Opernhaus. Zu laut eingespielte Gongschläge hatten bei dem Chorsänger 2008 einen dauerhaften Gehörschaden verursacht. Doch nun wurde das Strafverfahren endgültig eingestellt.

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Drei zu laut eingespielte Gongschläge bei einer Hauptprobe veränderten im November 2011 für immer das Leben eines Sängers: Der bereits vorbelastete Mann behielt einen bleibenden Gehörschaden zurück und kann wohl nie wieder in seinem Beruf arbeiten.

Seit dem Jahr des Unfalls kämpft der Mann, wie "der Tagesanzeiger" berichtet, deswegen gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber, das Zürcher Opernhaus. Das Zürcher Obergericht entschied jetzt in der dritten Instanz, dass kein Strafverfahren gegen die Verantwortlichen durchgeführt wird.

Genaue Messungen der Suva

Die Staatsanwaltschaft stützte sich dabei auf ein Gutachten der Schweizerischen Unfallversicherungsgesellschaft (Suva). Die Spezialisten hatten die damalige Situation, bis hin zum Stellplatz des Sängers, genau nachgestellt. Dabei massen sie den maximalen Schallpegel und stellten fest, dass die Grenzwerte selbst beim ungünstigsten möglichen Szenario eingehalten wurden. Das Gutachten sei "nachvollziehbar, schlüssig und vollständig", so das Gericht.

Dass die Gongschläge derart laut waren, war nicht geplant. Das Opernhaus nahm damals eine neue Audio-Anlage in Betrieb, die bis zur Hauptprobe aus Zeitgründen allerdings nie getestet wurde. Die Werte der alten Anlage wurden einfach auf die neue Anlage übertragen. Ausserdem habe der Sänger von den Gongschlägen gewusst, da sie in der Partitur eindeutig gekennzeichnet waren.

Das Obergericht kam zu dem Schluss, dass die Verantwortlichen des Opernhauses ihre Sorgfaltspflicht nicht verletzt hätten. Im Moment ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, der Sänger kann es beim Bundesgericht als weitere Instanz noch anfechten.

Vom Sänger zum Koch

Auch beim Sozialversicherungsgericht hatte der ehemalige Opernsänger keinen Erfolg. Taggelder und eine IV-Rente wurden ihm verweigert, weil das Gehör des Sängers laut internen Untersuchungen keinen nachweisbaren Schaden erlitten habe und er "mit viel gutem Willen arbeitsfähig sei", wie die Ergebnisse der IV-Stelle lauteten.

Seine psychischen Probleme müssten nicht zwangsläufig mit dem Gong in Zusammenhang stehen. Der einstige Sänger ist mittlerweile als Koch tätig und führt zusammen mit seiner Frau ein koreanisches Restaurant in Zürich. (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN