Für ein Gipfeli musste ein Schweizer aus St. Gallen am Zoll in Konstanz eine 20-Euro-Busse hinblättern. Immer mehr Einkaufstouristen an der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz werden von teils horrenden Zollbussen überrascht - schuld daran ist die Mehrwertsteuer-Rückerstattung.

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Hohe Preise in der Schweiz treiben viele Konsumentinnen und Konsumenten ins grenznahe Ausland zum Einkauf. Doch immer häufiger rächen sich die reduzierten Shoppingtouren.

Ein Paar aus St. Gallen fuhr für einen verbilligten Bummel nach Konstanz, das berichtet "20min.ch". Doch so richtig gemütlich endete die Shooping-Tour nicht. Ein Gipfeli kam ihnen teuer zu stehen: Weil der Mann einen Laugengipfel schon gegessen hatte und Zollbeamte die leere Tüte im Fahrzeug sicherstellten, als er am Zoll für seinen gesamten Einkauf von rund 100 Euro die Mehrwertsteuer zurückerstattet bekommen wollte, musste er 20 Euro Strafe bezahlen. Der Gipfeli-Vorfall soll kein Einzelfall sein.

Verurteilung wegen Gang in den Supermarkt

Immer wieder klagen Schweizer über die komplizierten Regelungen der Bussgelder. Wenn Nicht-EU-Bürger in Deutschland einkaufen, bekommen sie die Mehrwertsteuer zurück. Dafür erhalten sie in den Geschäften einen Ausfuhrkassenzettel, der wegen seiner Farbe umgangssprachlich auch grüner Zettel genannt wird.

Diesen müssen sie wiederum beim Zoll vorlegen. Doch immer häufiger soll es anstatt eines Stempels Bussen hageln.

Erst vergangenes Jahr wurde ein Schweizer Einkaufstourist wegen eines Zwischenstopps gerichtlich verurteilt. Er hatte nach dem Abstempeln des grünen Zettels, also der "Ausfuhr- und Abnehmerbescheinigung für Umsatzsteuerzwecke", nicht sofort das Land verlassen, sondern machte noch einen Zwischenstopp in einem Supermarkt. Die Busse: fünf Tagessätze à 160 Euro.

Werden Schweizer gezielt schikaniert?

Letztes Jahr zeigte sich der Konstanzer Bürgermeister sehr kritisch gegenüber Schweizer Einkaufstouristen und erwähnte, dass man die Touristen aus dem Ausland zwar gernhabe, es aber mit dem Einkaufstourismus ausarte.

Dass dieser übertriebene Formalismus absichtlich betrieben würde, um dem Verkehrschaos in Konstanz Abhilfe zu schaffen, verneint Mark Eferl, Pressesprecher des Hauptzollamts Singen, gegenüber "20min.ch" deutlich. "Die Zollbeamten schauen genau hin, um Steuerschäden für die Bundesrepublik Deutschland zu vermeiden."

Die Rechtslage sieht vor, dass angemeldete Waren im gleichen Zustand ein- wie ausgeführt werden müssen. Das gilt auch für Essen oder Getränke. "Wenn sich jemand nicht daran hält, wird je nach Nettowarenwert ein Verwarngeld erhoben oder gar ein Bussgeldverfahren eingeleitet", so Eferl.

Eine weitere Formalie tritt ab 2020 in Kraft. Das Kabinett in Berlin hat eine neue Bagatellgrenze beschlossen: Nicht-EU-Bürger können künftig die Mehrwertsteuer erst zurückfordern, wenn der Wert ihres Einkaufs in Deutschland 50 Euro oder mehr beträgt. Das "Zettelsystem" soll sich dann mehr für Grosseinkäufe lohnen. (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN

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