• Der 25. November ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen.
  • Bisher gibt es in der Schweiz noch keine Zahlen darüber, ob die häusliche Gewalt während der Coronakrise zugenommen hat.
  • Die Frauenhäuser sind jedoch voll.

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Im Vergleich zum Vorjahr gab es bislang zwar insgesamt keinen Anstieg von häuslicher Gewalt, wie Polizeikorps und Opferberatungsstellen einem Bericht von SRF zufolge feststellen. Susan Peter von der Dachorganisation der Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein spricht jedoch von vollen Frauenhäusern.

"Aktuell sind alle Frauenhäuser voll", erklärt sie. "Wir jonglieren und schauen, wo improvisiert werden kann." Denn die Frauen würden nicht einfach an andere Stellen verwiesen, wenn kein Platz mehr frei sei. "Wir versuchen, adäquate, fachliche Lösungen zu finden", betont Peter.

Diese Herausforderung sei nichts Neues: Die rund 400 Plätze in Schweizer Frauenhäusern seien generell zu wenig. "Es gibt nach wie vor zu wenige Plätze in Frauenhäusern", sagt Peter. "Und es gibt Kantone, die kein Angebot haben." Wenn betroffene Frauen Unterkünfte in anderen Kantonen finden müssten, sei das unter Umständen mit Aufwand und Schwierigkeiten verbunden.

Führt Corona-Pandemie zu mehr häuslicher Gewalt?

Das Jahr 2020 ist besonders herausfordernd: Peter nimmt an, dass die Corona-Pandemie Stressfaktoren und Gewaltpotenzial verstärkt. Im Frühling blieb ein Grossansturm auf die Frauenhäuser jedoch – anders als vermutet – aus. "Wir haben mit grossem Erstaunen realisiert, dass es eher zu einem Schockzustand, einem Stillstand kam", erzählt Peter.

Bei den Frauenhäusern und den ambulanten Beratungsstellen gingen nur wenige Anrufe ein. "So wenige, dass wir uns gefragt haben, ob die Telefone vielleicht defekt oder überlastet sind", fügt sie hinzu. Peters Vermutung: Viele Frauen wollten sich während des Shutdowns mit der ganzen Familie zu Hause nicht melden oder konnten es nicht. Ein Indiz für diese Theorie sei, dass sich die Frauenhäuser erst nach dem Shutdown wieder füllten.

Bisher ist jedoch nicht klar, ob die Corona-Pandemie wirklich zu einem Anstieg häuslicher Gewalt führt oder nicht.  © 1&1 Mail & Media/spot on news