Ein Zürcher sitzt aufgrund des Coronavirus im chinesischen Dawu nahe Wuhan fest. Der Schweizer hofft auf baldige Hilfe des Bundes. In der Schweiz sorgen währenddessen die beiden Verdachtsfälle, die im Zürcher Triemli-Spital registriert wurden, weiter für Aufregung.

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Derzeit sitzt ein Zürcher im chinesischen Dawu in der Provinz Hubai fest. Aufgrund der Quarantäne-Massnahmen gegen das Coronavirus konnte N.H. laut "20 Minuten" nicht wie geplant am Samstagmorgen den Schnellzug nach Peking besteigen. "Ich konnte nicht mehr ausreisen. Alles war gesperrt", berichtet H. Der 76-Jährige lebt laut dem Nachrichtenportal mit seiner Familie alljährlich für ein paar Monate in Dawu. Aufgrund des Coronavirus wollte der Rentner seine für Ende Februar geplante Rückreise in die Schweiz vorziehen.

Plant die Schweiz Rückholaktionen?

Länder wie Frankreich und Deutschland haben bereits Rückholaktionen für ihre Bürger, die sich im Virus-Epizentrum Wuhan befinden, angekündigt. Doch wird auch die Schweiz tätig werden? H. habe bereits die Botschaft in Shanghai kontaktiert und sich nach Rückholaktionen erkundigt. Diese habe ihn auf das Schweizer Aussendepartement (EDA) verwiesen. Als er die Helpline des EDA angerufen habe, sei ihm erklärt worden, man könne nicht weiterhelfen. "Ich solle mich beim BAG, der WHO und Safetravel informieren", sagt H.

Seiner Frau und ihm gehe es den Umständen entsprechend gut. Die beiden hielten sich an die Empfehlungen und "tragen Gesichtsmasken, wenn wir rausgehen, essen nicht mehr in Restaurants, meiden Menschenansammlungen. Ich weiss aber nicht, wie ich mich fühle, wenn die Situation mit dem Virus hier noch schlimmer wird", erklärt der Rentner. "Es wäre schön, wenn die Schweiz in Krisensituationen auch etwas für ihre Bürger tun würde." Dabei denke er an Evakuierungsflüge.

Botschaft steht mit Schweizern in Kontakt

Auf Anfrage von "20 Minuten" erklärte das Schweizer Aussendepartement, dass die Schweizer Botschaft mit Schweizer Staatsangehörigen in Kontakt stehe und alle registrierten Schweizer Staatsangehörigen schriftlich kontaktiert worden seien.

Ob die Schweiz auch Rückholaktionen in Betracht zieht, konnte Pressesprecher Georg Farago nicht beantworten. Man arbeite intensiv am Umgang mit dem Coronavirus. Schweizern, die in China festsitzen, rät er, sich an die Schweizer Botschaft oder die Helpline des EDA zu wenden.

Wirbel um Verdachtsfälle in der Schweiz

Am vergangenen Sonntag wurde bekannt, dass im Zürcher Triemli-Spital zwei Patienten mit Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion unter Quarantäne gesetzt wurden. Die beiden Personen hatten nach einer China-Reise Zeichen einer Infektion aufgewiesen. Zunächst gab man sich beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) zurückhaltend. Das Ergebnis der Tests stehe noch aus, hiess es am Montag. Erst am Dienstagmorgen bestätigte das Spital: "Die Testergebnisse der beiden Patienten fielen negativ aus. Den Patienten geht es gut."

Wie "Blick.ch" berichtet, hätte das Spital bereits am Montag Entwarnung geben können, da das Untersuchungsergebnis aus dem virologischen Institut Zürich bereits am Sonntagabend vorgelegen hätte. Wieso hat das Spital abgewartet? Wie eine Quelle des Nachrichtenportals erklärt, habe das BAG den Hauptcheck in Genf zentralisiert. Die Zürcher Proben seien dort erst am Montagmorgen zu genaueren Abklärungen im Referenzzentrum für neu auftretende Viruserkrankungen angekommen und überprüft worden.

Keine weiteren Massnahmen in der Schweiz

Sollte in der Schweiz eine Infektion registriert werden, würde man dies umgehend kommunizieren, liess das BAG mitteilen. Weitere Massnahmen gegen das Virus werden jedoch nicht ergriffen. "Die Gefahr, sich in der Schweiz mit dem Corona-Virus anzustecken, ist derzeit sehr tief", erklärte das Bundesamt bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Weltweit sind bisher 106 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. (jom)  © 1&1 Mail & Media / SN