Iran: So schlagkräftig ist die Armee der islamischen Republik

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Von
Sander Rubens

Seit der gezielten Tötung des iranischen Offiziers Ghassem Soleimani durch eine amerikanische Rakete sind die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erneut aufgeflammt. Das Militär des Landes könnte erheblichen Schaden anrichten.

Seit der gezielten Tötung des iranischen Offiziers Qasem Soleimani durch eine amerikanische Rakete sind die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erneut aufgeflammt. Wir geben einen Einblick, wie es um Irans militärische Möglichkeiten steht.
Der Iran besitzt derzeit kein Atomwaffenprogramm und hat zuvor erklärt, er wolle auch keines. Aber das Land hat viele der erforderlichen Elemente und das Wissen, um eine militärische nukleare Fähigkeit zu schaffen. 2015 schätzte die US-Regierung unter Präsident Obama, dass der Iran nur zwei bis drei Monate benötige, um genug Nuklearmaterial zu produzieren, um eine Waffe herzustellen.
Nach Angaben des International Institute for Strategic Studies (IISS) gibt es schätzungsweise 523.000 aktive iranische Soldaten. Davon sind 350.000 in der regulären Armee und mindestens 150.000 in der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC). Weitere 20.000 Soldaten dienen in den Seestreitkräften der IRGC.
Die IRGC wurde vor 40 Jahren gegründet, um das islamische System im Iran zu verteidigen. Sie hat sich zu einer wichtigen militärischen, politischen und wirtschaftlichen Kraft entwickelt. Obwohl sie weniger Truppen als die reguläre Armee umfasst, gilt sie als die autoritärste Streitmacht im Iran.
Die Raketensysteme des Iran sind aufgrund der relativ schwachen Luftstreitkräfte ein wichtiger Bestandteil des militärischen Arsenals. Ein Bericht des US-Verteidigungsministeriums beschreibt das Raketenarsenal des Landes als das grösste im Nahen Osten.
Die hier abgebildete Shahab-3 ist mit einer Reichweite von ca. 2.000 km die am weitesten reichende Rakete des iranischen Regimes.
Trotz jahrelanger Sanktionen gelang es dem Iran auch Drohnen zu entwickeln. Im Irak werden seit 2016 iranische Drohnen im Kampf gegen den IS eingesetzt. Der Iran hat auch den israelischen Luftraum mit bewaffneten Drohnen betreten, die von Stützpunkten in Syrien aus operiert werden.
Ein Aspekt des iranischen Drohnenprogramms ist seine Bereitschaft, die Drohnen-Technologie an seine Verbündeten und Proxies in der Region zu verkaufen oder zu übertragen.
Der Iran verfügt über mehr als 2.500 Panzer und 1.600 gepanzerte Fahrzeuge. Hinzu kommen zudem noch rund 4.000 Artilleriesysteme.
Mit gerade einmal 850 Flugzeugen spielt Irans Luftwaffe eine eher untergeordnete Rolle. Die 130 Kampfflugzeuge des Regimes wären wohl kaum in der Lage den iranischen Luftraum vor amerikanischen Luftschlägen zu schützen.
Auch die Marine des Iran wirkt im Vergleich mit der US Navy klein. Circa 400 Schiffe und Boote stehen momentan im Dienst der Marine. Ein Grossteil der Flotte besteht jedoch aus kleinen, kaum gepanzerten Speedbooten. Allerdings besitzt der Iran immerhin 40 U-Boote, die im Ernstfall durchaus zu einer Gefahr werden könnten.
Bei den militärischen Gesamtausgaben wird der Unterschied zwischen Iran und den USA besonders deutlich: Mit 14 Milliarden Dollar gibt der Iran 2,5% seines Brottoinlandsprodukts für das Militär aus. Eine ganze Stange Geld, doch im Vergleich mit dem 610 Mrd. Dollar Budget des US-Militärs wird schnell klar: Der Iran hat kein Interesse an klassischer Kriegsführung. Im Falle eines Krieges würde das Regime wohl auf asymetrische Kriegsführung zurückgreifen.