Wo genau ist das Grundwasser in der Schweiz mit Pestiziden belastet? Die Antwort auf diese Frage blieb ein Report des Bundesamts für Umwelt schuldig. Eine neue Umfrage gibt nun zumindest in Teilen Aufschluss.

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Jetzt herrscht endlich Klarheit, zumindest in Teilen: Der "Tages-Anzeiger" nahm die jüngsten, erschreckenden Qualitätsmessungen des Schweizer Grundwassers zum Anlass, um eine Umfrage bei Kantonschemikern sowie allen kantonalen Umweltämtern durchzuführen.

Ziel des Ganzen: Man wollte herausfinden, in welchen Regionen das Grundwasser am stärksten belastet ist.

Vor allem die Belastungen mit dem höchst umstrittenen, vermutlich krebserregenden und in der EU bereits verbotenen Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil standen dabei im Fokus.

Kanton Zürich am stärksten betroffen

Dem Bericht zufolge ist der Kanton Zürich am stärksten von der Grundwasser-Belastung betroffen. Dort wurden demnach bei 49 von 92 untersuchten Messstellen Rückstände des Pestizids entdeckt.

Bei einem Drittel der Messungen wurde der Grenzwert überschritten. Wo genau sich diese Messstationen im Kanton Zürich befinden, wollten die Behörden aber nicht verraten.

Das Problem dieser Umfrage: Nicht alle Kantone zeigten sich so transparent wie Zürich. Aargau, Genf, Jura, Freiburg, Neuenburg und das Tessin machten überhaupt keine Angaben.

Insgesamt gaben die kantonalen Behörden dieser Kantone 48 Überschreitungen des Grenzwertes bekannt. Nur Thurgau und Waadt legten sämtliche Daten offen.

Mittelland betroffen, Bergkantone weitestgehend verschont

Dennoch kann man der Umfrage eine Tendenz ablesen: In den Bergkantonen sind bislang noch keine Grenzwert-Überschreitungen registriert worden. Schwieriger gestalte sich die Situation im Mittelland, also auch in Bern und Solothurn.

Im Berner Seeland zum Beispiel wurde an sieben Messstellen eine zu hohe Konzentration entdeckt.

Keine Gefahr für die Bevölkerung

Eine Gefahr für das Trinkwasser bestehe bislang noch nicht: Wird eine Grenzwert-Verletzung registriert, so müssen die Behörden und Wasserversorger Massnahmen ergreifen, um die Belastungen wieder unter die Grenzwerte zu drücken. Dies geschehe unter anderem mit einer Vermischung des Trinkwassers aus unterschiedlichen Quellen.

In Zürich bestehe das Trinkwasser zum Beispiel nur zu 60 Prozent aus Grundwasser, die restlichen 40 Prozent werden aus dem Zürichsee gewonnen. Somit ist auch in der am stärksten betroffenen Region das Trinkwasser völlig unbedenklich zu geniessen.

Report des Bundesamts überraschte

Vor rund zwei Wochen schlug ein Report des Bundesamts für Umwelt in der Schweiz hohe Wellen. Die Messungen ergaben, dass das Grundwasser an mehr als jeder zweiten Messstelle hohe Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden sowie deren Abbauprodukten enthält.

Welche Regionen allerdings genau betroffen sind, war daraus nicht ersichtlich. Es hiess lediglich, dass die grossen Landwirtschaftsgebiete im Mittelland am stärksten betroffen seien. (dr)  © 1&1 Mail & Media / SN