Ein Kleinkind aus Venezuela ist in den Armen seiner Mutter gestorben, nachdem die Küstenwache von Trinidad und Tobago auf das Flüchtlingsboot der beiden geschossen hat. Die Behörden sprachen von Selbstverteidigung.

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In Trinidad und Tobago ist ein Kleinkind nach Schüssen der Küstenwache auf ein Migrantenboot gestorben. Bei dem getöteten Kind handelte es sich Berichten der "Washington Post" und des "Trinidad & Tobago Guardian" zufolge um einen Jungen aus Venezuela, der in den Armen seiner Mutter starb.

Die Küstenwache des Karibikstaates hatte nach eigenen Angaben in der Nacht zum Sonntag ein illegal in die Hoheitsgewässer eingedrungenes Schiff aufhalten wollen. Als dieses sich den Anweisungen nicht fügte, sei geschossen worden.

Auch nach ersten Warnschüssen habe das unbekannte Schiff "seine aggressiven Manöver fortgesetzt". Es habe versucht, das Schiff der Küstenwache zu rammen, teilten die Behörden mit. Die Grenzschützer hätten Angst um ihr Leben gehabt und auf den Motor des Bootes geschossen.

Mehr als hundert Menschen bei Schiffsunglücken ums Leben gekommen

Als das unbekannte Schiff schliesslich anhielt, seien illegale Migranten an Bord entdeckt worden. Die Frau mit dem Kleinkind wurde demnach verletzt ins Krankenhaus gebracht. "Bedauerlicherweise wurde festgestellt, dass der Säugling nicht ansprechbar war", erklärte die Küstenwache. Laut "Trinidad & Tobago Guardian" war er gerade mal ein Jahr alt.

Die Menschenrechtsaktivistin Nafessa Mohammed bezeichnete den Vorfall demnach als alarmierend und forderte die Küstenwache auf, den Vorfall zu untersuchen. Sie sprach der betroffenen Familie ihr Beileid aus.

Angaben von Aktivisten zufolge waren die Migranten im ostvenezolanischen Bundesstaat Delta Amacuro in See gestochen. Von dort legen täglich schätzungsweise sechs bis zehn Boote mit Migranten ab, wie der Menschenrechtsaktivist Orlando Moreno sagte.

Seit 2018 sind zwischen Trinidad und Tobago und dem etwa hundert Kilometer entfernten venezolanischen Festland mehr als hundert Menschen bei Schiffsunglücken ums Leben gekommen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind seit 2015 etwa fünf Millionen Venezolaner ausser Landes geflohen, etwa 25.000 von ihnen gelangten nach Trinidad und Tobago.  © DER SPIEGEL