• Die Corona-Massnahmen schränken besonders die Bedürfnisse junger Leute ein.
  • In einigen Schweizer Städten haben Jugendliche am Wochenende illegale Partys gefeiert.
  • Dabei kam es teilweise zu Ausschreitungen.

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Ohne Abstand, ohne Masken, dafür mit reichlich Alkohol: In St. Gallen musste die Stadtpolizei am Freitagabend (26. März) eine illegale Party auflösen, da diese gegen die Corona-Auflagen verstiess. Darauf kam es in der Innenstadt zu Ausschreitungen. Mehr als 200 Personen sollen sich laut einer Medienmitteilung der Polizei auf dem Roten Platz aufgehalten haben. Auch diese Ansammlung lösten die Beamten auf, worauf es zu mehreren Sachbeschädigungen kam, bei denen auch ein Polizist leicht verletzt wurde.

Auch in anderen Schweizer Städten wie Zürich, Basel und Schaffhausen kamen am Wochenende zahlreiche junge Menschen zusammen, um Partys zu feiern.

Treffen Gleichaltriger ist ein "Grundbedürfnis"

Im Gespräch mit "20 Minuten" erklärt Roman Niedermann, Regionalleiter des Schweizerischen Instituts für Gewaltprävention, warum junge Menschen der Corona-Massnahmen derzeit so überdrüssig sind: "Seit längerer Zeit wird ein Grundbedürfnis der jungen Erwachsenen unterdrückt: das Treffen Gleichaltriger in Gruppen, ausserhalb des Elternhauses, das Ausbauen einer eigenen Welt." Das sei für Jugendliche sehr wichtig und komme einem Grundbedürfnis wie Essen und Trinken gleich. "In keiner anderen Phase im Leben ist dieses Bedürfnis grösser als im Jugendalter."

Dass dieses Grundbedürfnis nun massiv zu kurz komme, zeigt sich laut Niedermann im aggressiven Verhalten und der Häufung psychischer Probleme bei Jugendlichen. Doch Aggressionen Jugendlicher würden teilweise auch durch die Reaktion der Polizei hervorgerufen. "Reagiert die Polizei mit Gewalt, erstaunt es nicht, dass die Jugendlichen dieses Verhalten spiegeln", erklärt der Dozent für Soziale Arbeit. Man müsse zwar Grenzen aufzeigen, insbesondere bei destruktivem Verhalten, doch er empfehle eher einen deeskalierenden Ansatz und eine pragmatische Abwägung je nach Fall.

Wie kann man die Situation Jugendlicher entspannen?

Weiter plädiert Roman Niedermann dafür, den Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen - etwa in Form von Jugendarbeit im öffentlichen Raum, dem Ausbau von Corona-konformen Treffpunkten oder der Thematisierung an Schulen. Er rät auch dazu, die Corona-Massnahmen auf Ausgewogenheit zu prüfen: "Im Leben geht es nicht nur um Gesundheitsthemen, der Mensch hat auch andere Bedürfnisse."

Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Massnahmen können für junge Menschen auch längerfristig negative Auswirkungen haben. Laut Niedermann kommen junge Menschen in finanzielle Nöte, weil sie keine Jobs mehr finden, das Studium im Fernunterricht sei wenig spannend und der soziale Kontakt fehle. "Diese und ähnliche Faktoren führen zu einer Multiplizierung von Problemen", erklärt Niedermann.

Vor allem die Balance zwischen wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Aspekten der Corona-Pandemie ist gerade Teil des Diskurses. Laut Niedermann sei es wichtig, auch soziale Ansprüche zu thematisieren und gemeinsam mit den jungen Menschen Lösungen zu suchen.  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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