Gegen Dustin Hoffman sind erneut Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben worden. Im Interview mit verschiedenen US-Medien warfen mehrere Frauen dem Schauspieler vor, sie missbraucht zu haben.

Oscar-Preisträger Dustin Hoffman (80) wird mit weiteren Vorwürfen sexueller Belästigung konfrontiert. Mehrere Frauen schilderten in Interviews mit den US-Magazinen "Variety" und "Hollywood Reporter" angebliche Übergriffe des Schauspielers, die in den 1970er und 1980er Jahren stattgefunden haben sollen.

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Die teilweise namentlich genannten Frauen werfen Hoffman unter anderem vor, er habe sie begrapscht, zu sexuellen Handlungen gedrängt, sich vor ihnen ausgezogen oder masturbiert. Einige der Frauen gaben an, dass sie zu diesem Zeitpunkt minderjährig gewesen seien, andere Anfang 20.

Von den drei Frauen in dem Variety-Artikel gaben sich zwei namentlich zu erkennen. Eine von ihnen ist Cori Thomas, eine ehemalige Mitschülerin von Hoffmans Tochter. Sie gab an 1980 im Alter von 16 Jahren von dem Schauspieler belästigt geworden zu sein.

Damals habe sie einen Sonntagnachmittag mit Hoffman und dessen Tochter verbracht. Als sie in dessen Hotelzimmer auf ihre Mutter wartete, die sie abholen wollte, sei Hoffman in das Badezimmer gegangen und nur mit einem Handtuch bekleidet daraus zurückgekehrt.

Dieses habe er kurz darauf abgelegt und die 16-Jährige aufgefordert, ihm die Füsse zu massieren. "Ich wusste nicht, dass ich Nein sagen konnte, also habe ich es getan", so Thomas. "Gerettet" worden sei die junge Frau durch den Anruf ihrer Mutter, welche unten im Hotel auf sie wartete. Gegenüber Variety sagte Thomas, sie habe sich "gedemütigt" gefühlt, ihrer Mutter aber nichts von dem Vorfall erzählt.

Sexuelle Misshandlungen bei Dreharbeiten

Die zwei anderen Frauen berichteten von sexuellen Misshandlungen durch Hoffman während der Dreharbeiten zum Film "Ishtar" 1987. Eine der beiden ist Melissa Kester. Laut Kester ereignete sich der Vorfall in einem Tonstudio, in dem Hoffman ein Lied für den Film aufnahm. Die Frau hatte dort ihren damaligen Freund besucht, welcher an der Filmmusik mitarbeitete. Bereits zuvor war sie Hoffman mehrere Male in dem Aufnahmestudio begegnet.

Laut ihrer Schilderung habe der Schauspieler bei ihrem dritten Besuch Probleme mit der Aufnahme gehabt. Ihr Freund und ein ebenfalls anwesender Ingenieur hätten daraufhin technische Anpassungen vorgenommen, um Hoffmans Schwierigkeiten auszugleichen.

Weil Hoffman angab, gelangweilt zu sein, habe er sie aufgefordert, in die Aufnahmekabine zu kommen. Nachdem sie zu Hoffman gegangen sei, habe dieser zuerst mit ihr geflirtet und sie dann während der Aufnahme gepackt und an sich herangezogen.

Daraufhin sei der Schauspieler mit seinem Finger in sie eingedrungen. Laut Kester sei die Kabine von dem Kontrollraum, in dem sich ihr Freund und der Ingenieur befanden, durch eine Glasscheibe einsehbar gewesen. Allerdings nur oberhalb der Gürtellinie. Kurz darauf sei sie aus dem Raum gerannt und habe sich weinend in das Badezimmer gesetzt. "Ich habe mich vergewaltigt gefühlt", so Kester.

Die Dritte Frau, die ihre Identität anonym halten möchte, beschrieb einen ähnlichen Vorfall. Die damals 22-Jährige hatte als Komparsin am Set von "Ishtar" gearbeitet. Hoffman habe sie nach einer Party nach Hause gefahren. Dabei soll er ihr plötzlich seinen Finger in ihre Vagina gesteckt haben.

Keine Stellungnahme von Hoffman

Hoffmans Management habe auf Anfrage keine Stellungnahme des Schauspielers bereitgestellt, berichtete "Variety". Jedoch habe Hoffmans Anwalt Mark A. Neubauer auf die Vorwürfe reagiert und diese als "verleumderische Unwahrheiten" bezeichnet, schrieb das Branchenblatt.

Anfang November hatte die US-Autorin Anna Graham Hunter in einer Gastkolumne im "Hollywood Reporter" Vorwürfe erhoben, der Schauspieler habe sie 1985 als 17-Jährige wiederholt belästigt.

Sie habe damals am Set des TV-Films "Death of a Salesman" als Produktionsassistentin ein Praktikum gemacht. Ihren Beschreibungen zufolge habe Hoffman sie um eine Massage gebeten, an den Po gegriffen und mehrfach mit anzüglichen Bemerkungen bedrängt.

Hoffman reagierte damals auf die Vorwürfe mit einer Stellungnahme. Er habe "grössten Respekt" für Frauen und er fühle sich schrecklich, dass er die Frau möglicherweise durch sein Verhalten in eine "unangenehme Situation" gebracht haben könnte. "Dies reflektiert nicht, wer ich bin", zitierte das Blatt den Schauspieler. (thp/dpa)

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