Der Einkaufstourismus schadet der heimischen Wirtschaft. Trotzdem fahren viele Schweizer nach Deutschland zum Einkaufen. Bald könnte ein Mindestbeitrag verlangt werden, um Shoppingjäger abzuschrecken.

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Volle Züge, verstopfte Parkplätze, Gedränge in den Läden: So sieht es im grenznahen Deutschland aus, wenn Schweizer Einkaufstouristen ganze Städte nach Angeboten absuchen. Die heimische Wirtschaft leidet unter den ausländischen Shoppingtrips. Doch jetzt könnte der heimische Handel Schützenhilfe aus Deutschland bekommen. Dort prüft das Bundesfinanzministerium, wie "20min.ch" berichtet, ob die Mehrwertsteuer bei der Ausfuhr in die Schweiz zukünftig nur noch bei Einkäufen ab rund 200 Franken erstattet wird.

Quittungen wären nicht kombinierbar

Der Bagatellbeitrag würde für jede einzelne Quittung gelten, Touristen könnten für einen Steuerrabatt also nur in einem Geschäft einkaufen, auch wenn beispielsweise der Betrag insgesamt in einem Einkaufszentrum überschritten wurde. Einkaufstouristen würden nach dieser Idee des deutschen Finanzministers Olaf Scholz abgeschreckt, eine Erstattung würde laut deutscher Industrie- und Handelskammer (IHK) bei 80 Prozent der Einkäufe wegfallen.

"Der Bagatellbetrag macht den Einkaufstourismus unattraktiver. Viele Konsumenten werden dann nicht mehr nach Deutschland gehen oder beginnen, seltener und dafür mehr auf einmal einzukaufen", sagt Tilman Slembeck, Wirtschaftsprofessor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zu "20min.ch".

Aufwand für Deutschland zu hoch?

Bisher stempeln jährlich Millionen die sogenannten grünen Zettel an der Schweizer Grenze ab und können damit die in Deutschland bezahlte Mehrwertsteuer von 19 Prozent zurückverlangen. Besonders Lebensmittel und frische Produkte dürften von einem möglichen Mindestbetrag betroffen sein.

Deutschland plane diese Massnahme laut Slembeck vor allem auch, um den bürokratischen Aufwand der grünen Zettel zu minimieren und einen Schritt in die Digitalisierung von Ausfuhrbescheinigungen zu gehen. "Das Abrechnungssystem mit den Zetteln ist einfach nicht mehr zeitgemäss."

Schon dreimal an der Bagetellgrenze gescheitert

Es ist bereits das dritte Mal, dass der Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestags die Regierung auffordert, eine Bagatellgrenze einzuführen. Zweimal scheiterten die Pläne an Olaf Scholz' Vorgänger, Wolfgang Schäuble. Dieser hatte auf ein automatisiertes Verfahren gesetzt, bei dem der technische Aufwand allerdings zu gross gewesen wäre. Zu hohe Entwicklungskosten machten damals auch einen Strich durch die zukünftige (Shopping)-Rechnung. (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN