Das Coronavirus hat Europa erreicht. Die weltgrösste Servicegesellschaft für Fluggesellschaften und Flughäfen, Swissport, hält es dennoch bislang nicht für zwingend nötig, dass ihre Mitarbeiter Atemschutzmasken tragen – und sorgt damit für ordentlich Frust.

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Vier bestätigte Fälle einer Infektion mit dem Coronavirus gibt es bisher im Schweizer Nachbarland Deutschland. Zuvor erreichte das zuerst in China aufgetretene Virus bereits Frankreich. Das Unternehmen Swissport, dessen Angestellte täglich in direktem Kontakt mit Flugpassagieren stehen, sieht dennoch bislang keine Veranlassung, allen Mitarbeitern das Tragen von Atemschutzmasken zu erlauben.

Keine Schutzmassnahmen durch WHO und BAG

Der Grund für die Entscheidung des Unternehmens: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gaben bisher keine besonderen Schutzmassnahmen für Flughäfen in Europa bekannt. In einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter heisst es nach einem Bericht des Nachrichten-Portals "20minuten.ch": "Aufgrund der Einschätzung der WHO und des BAG ist es momentan nicht erlaubt, im Passagierbereich mit Gesichtsschutzmasken zu arbeiten." Mitarbeiter, die aus medizinischen Gründen eine Schutzmaske tragen wollen, werden in der Mitteilung an ihre Vorgesetzten verwiesen.

Bei der Belegschaft stösst die Entscheidung des Unternehmens auf reichlich Unverständnis. Es sei traurig, dass "die Gesundheit der Mitarbeiter keine Rolle zu spielen scheint", erklärt ein 24-jähriger Swissport-Angestellter stellvertretend für seine Kollegen. "Natürlich haben wir Angst, dass wir uns anstecken. Wir sind direkt an der Front. Jeder von uns kommt irgendwie mit Passagieren in Kontakt."

Ist Ästhetik wichtiger als die Gesundheit?

In der Kommentar-Zeile unter der internen Geschäftsmitteilung machten einige enttäuschte Mitarbeiter ihrem Ärger ebenfalls Luft. "Dieses schrittweise Handeln ist hier nicht wirklich angebracht. Das Tragen von Schutzmasken sollte in der jetzigen Situation selbstverständlich sein", schreibt ein Nutzer.

Ein weiterer wirft Swissport sogar vor, die Gesundheit der Mitarbeiter zu vernachlässigen. In dem entsprechenden Kommentar heisst es: "Die Nachricht, die so vermittelt wird, ist alles andere als schmeichelhaft: Ästhetik ist wichtiger als die Gesundheit oder gar Menschenleben."

Als Kompromiss schlagen Angestellte das Bereitstellen von Desinfektionsmitteln oder das Erlauben des Tragens der Schutzmasken bei der Abfertigung ankommender Passagiere aus China und Hongkong vor.

Swissport-Sprecherin: "Kein absolutes Verbot"

Auf Anfrage von "20minuten.ch" nahm eine Sprecherin von Swissport Stellung zur aktuellen Situation und dem Unmut der Mitarbeiter. "Es herrscht kein absolutes Verbot", betont sie. Swissport-Mitarbeitende im Passagierbereich, die Bedenken hätten und eine Schutzmaske beim Empfangen von Flugzeugen aus China oder Asien tragen möchten, könnten sich "an ihre Vorgesetzten wenden. Diese verteilen auf Nachfrage Schutzmasken und Desinfektionsmittel." Auf diese Regelung sei bereits in der internen Mitteilung hingewiesen worden.

Bezüglich der Vorwürfe, Swissport würde das Aussehen der Mitarbeiter priorisieren, verwies die Sprecherin auf vertragliche Verpflichtungen, die das Unternehmen allein mit 34 Fluggesellschaften am Flughafen in Zürich eingegangen sei. "Laut Uniformenreglement ist das Tragen von Schutzmasken bei akuter Gefährdungsgefahr und wenn von den zuständigen Landesbehörden empfohlen, vorgesehen", erläutert sie.

Gesundheit hat "oberste Priorität"

Mittlerweile veröffentlichte Swissport eine zweite Mitarbeiter-Mitteilung, in der darauf hingewiesen wird, dass die Geschäftsleitung die Bedenken der Mitarbeiter ernst nehme. Ferner habe die Gesundheit der Belegschaft "oberste Priorität" und das Unternehmen befinde sich "laufend in Kontakt" mit den zuständigen Behörden und dem Krisenstab.

Für den Fall einer eventuellen Gefährdung sei Swissport ausserdem gut gerüstet, betont die Sprecherin des Unternehmens gegenüber "20minuten.ch": "Das notwendige Schutzmaterial steht bereit und kann im Notfall verteilt werden." (wag)  © 1&1 Mail & Media / SN