Eine Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft in Sri Lanka ist festgenommen worden. Zuvor war die Frau eigenen Angaben zufolge Opfer einer Entführung geworden - doch die Behörden bezweifeln das. Gibt es eine Querverbindung in die hohe Politik Sri Lankas?

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Auf Sri Lanka ist am Montag eine einheimische Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft festgenommen worden. Wie die Staatsanwaltschaft in Colombo am Montag mitteilte, habe sie eine Falschaussage gemacht und "Unzuverlässigkeit gegenüber der Regierung" gezeigt.

Zuerst entführt, dann verhaftet

Doch der Fall wirft Fragen auf. Laut Schweizer Botschaft war die Frau am 25. November von Unbekannten entführt und sexuell belästigt worden. Die Angreifer sollen sie zur Flucht eines sri-lankischen Kriminalinspektors befragt und sie laut Medienberichten dazu gezwungen haben, Mobilfunkdaten von Bürgern Sri Lankas herauszurücken, die kürzlich in der Schweiz Asylanträge gestellt hatten. Doch die Behörden Sri Lankas bezweifeln die Schilderungen der Frau und liessen sie nun festnehmen.

Bern kritisierte die Festnahme und forderte Beweise für die Anschuldigungen gegen die Frau. Das Schweizer Aussenministerium kritisierte zudem, dass die Frau trotz ihres schlechten Gesundheitszustands binnen drei Tagen insgesamt 30 Stunden lang befragt worden sei.

Kriminalinspektor flüchtete einen Tag vor der Entführung in die Schweiz

Pikant ist unterdessen der Zeitpunkt der umstrittenen Entführung - denn nur einen Tag zuvor hatte der Kriminalinspektor bei den Schweizer Behörden Asyl beantragt und war geflüchtet. Der hochrangige Mitarbeiter der Polizei ermittelte unter anderem wegen mutmasslichen Entführungen, Morden und dem Verschwinden von Aktivisten und Journalisten unter dem jetzigen Präsidenten Gotabaya Rajapaksa.

Mittlerweile sind die Ermittlungen gegen Rajapaska, der zuvor Verteidigungsminister war, wegen Immunität eingestellt worden. (sob/afp)  © 1&1 Mail & Media / SN