• Ein Sturm folgt auf den nächsten.
  • Mehrere Länder melden bereits Todesopfer.
  • Bei seinem Zug durch Teile Europas bekommt auch Deutschland die Wucht von "Zeynep" ab.

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Heftige Böen des Orkantiefs "Zeynep" haben am Freitagabend Deutschland erreicht und erhebliche Schäden angerichtet. Dabei sagte der Deutsche Wetterdienst (DWD) voraus, dass der gefährliche Sturm erst in der Nacht seine volle Wucht entwickeln würde. Zuvor war er über Grossbritannien, Irland und die Niederlande gezogen - die Länder meldeten mehrere Tote, vor allem durch umfallende Bäume.

Bei Verkehrsunfällen sind im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen am Freitagabend zwei Autofahrer ums Leben gekommen. Auf der Bundesstrasse 54 bei Altenberge prallte ein Wagen gegen einen quer auf der Fahrbahn liegenden Baum, der während des Sturms umgestürzt war, wie ein Polizeisprecher am Abend mitteilte. Der 56-jährige Fahrer wurde im Auto eingeklemmt und reagierte den Angaben zufolge nicht auf Ansprachen. Er starb demnach noch am Unfallort.

Die Bundesstrasse 54 soll laut Polizei wegen weiterer umgestürzter Bäume bis mindestens Samstag 8.00 Uhr gesperrt bleiben. Zuvor hatte der WDR darüber berichtet.

Etwa zur selben Zeit war ein Mann mit seinem Wagen in Saerbeck unterwegs, als das Fahrzeug sich nach Angaben der Polizei überschlug. Der 33-Jährige sei am Unfallort gestorben. Die Ursache des Unfalls war zunächst unklar, vermutlich sei das Auto von einer Windböe erfasst worden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Abend.

In Thüringen brachten die Sturmböen Fahrzeuge nördlich von Erfurt wie Spielzeuge zum Umkippen. Auf der Bundesstrasse 4 bei Greussen sei ein Auto mit Anhänger regelrecht von der Strasse geblasen worden, sagte ein Sprecher der Landeseinsatzzentrale in Erfurt. Bei Straussfurt kippte der Wind einen Transporter um. Menschen wurden hier nicht verletzt.

Vier Verletzte durch umstürzende Bäume in Hessen

Bei zwei Autounfällen wegen umgestürzter Bäume sind im hessischen Lahn-Dill-Kreis vier Menschen verletzt worden. Das teilte eine Sprecherin des Kreisausschusses am Freitag mit. Der erste Unfall ereignete sich demnach auf der Landstrasse 3451 bei Braunfels. Hier habe die Feuerwehr die beiden eingeschlossenen Fahrzeuginsassen befreien müssen, hiess es. Ein weiterer Baum sei zwischen Hüttenberg-Weidenhausen und Wetzlar auf einen Wagen gestürzt. Auch hier wurden demnach zwei Menschen im Auto eingeschlossen.

In Osthessen stürzte ein Baum stürzte nach Angaben der Polizei in Fulda auf ein Auto - die Fahrerin wurde leicht und der Beifahrer schwer verletzt. Weil ein Baukran in Aurich in Ostfriesland umzukippen drohte, mussten dort am Freitagabend zwei Einfamilienhäuser evakuiert werden. "Er drehte und neigte sich erheblich", sagte ein Feuerwehrsprecher. In Hamburg stürzte ein Baum auf parkende Autos und verletzte ein Kind leicht, das mit seinem Fahrrad unterwegs war.

Lose Dachteile und umgestürzte Bäume im Südwesten

Das Sturmtief "Zeynep" hat am späten Freitag auch in Baden-Württemberg für Schäden gesorgt. Rund 60 Quadratmeter Blechdach löste der starke Wind in Stuttgart, wie die Feuerwehr mitteilte. Dabei stürzten zwei Schornsteine auf die Strasse, mehrere parkende Fahrzeuge wurden beschädigt. Umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste versperrten Strassen und Schienen - auch die Stadtbahn fiel laut Polizei für kurze Zeit aus. "Verletzte oder Tote haben wir aber nicht", sagte ein Polizeisprecher in Stuttgart.

In Freiburg stürzte nach Angaben der Polizei ein Baum auf eine Stromleitung, im Stadtteil Lehen fiel für eine Dreiviertelstunde der Strom aus. In Karlsruhe lösten sich einige Ziegel von einem Kirchturm. Es sei jedoch niemand verletzt worden, versicherte ein Polizeisprecher.

Todesopfer in den Niederlanden

In den Niederlanden starben drei Menschen durch umstürzende Bäume, darunter ein Radfahrer. Auch Grossbritannien meldete drei Todesopfer. In London wurde erstmals die höchste Warnstufe Rot ausgerufen. Auf Videos, die im Internet kursierten, war zu sehen, wie die Bespannung des Millennium-Domes im Londoner Stadtteil Greenwich teilweise fortgerissen wurde. Unter der zur Jahrtausendwende errichteten zeltartigen Konstruktion befindet sich die O2-Arena, in der es oft Musik- und Sportveranstaltungen gibt.

In Irland starb ein Mann als Sturmopfer. In Frankreich wurden mindestens elf Menschen verletzt. Im Norden des Landes waren am Abend rund 130.000 Haushalte ohne Strom.

Bis Montag soll es stürmisch bleiben

In Deutschland erwartete der DWD, dass der Orkan gegen Mitternacht die Nordseeküste erreicht. Es ist die zweite schwere Sturmlage in Deutschland innerhalb kurzer Zeit. Mindestens bis Montag soll es stürmisch bleiben, wie es vom DWD heisst. "Es kehrt einfach keine Ruhe ein", sagte ein Meteorologe.

Schwerpunkt der neuen Unwetterlage sollte den Experten zufolge bis Samstagfrüh die Nordhälfte Deutschlands sein. Der DWD gab aber auch für südlichere Regionen - Teile von Rheinland-Pfalz, Hessen und für nördliche Regionen Bayerns - Unwetterwarnungen vor orkanartigen Böen heraus.

Fern- und Regionalverkehr wurden am Freitag in Norddeutschland und in Nordrhein-Westfalen nach und nach eingestellt. Der Schutz der Reisenden und der Beschäftigten habe Vorrang, hiess es. Fahrgäste können ihre für den Zeitraum von Donnerstag bis Sonntag gebuchten Fahrkarten bis zum 27. Februar flexibel nutzen oder kostenfrei stornieren, wenn sie Reisen wegen des Sturms verschieben.

Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern erwartet

Für die Nacht zu Samstag wurden an der Nordseeküste Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern erwartet. In der zweiten Nachthälfte sollte "Zeynep" auf die Ostseeküste treffen und dann allmählich nachlassen. Damit sei die Unwettergefahr erst einmal gebannt, auch wenn es stürmisch bleibe, sagte ein DWD-Meteorologe.

An der Nordseeküste wurde eine Sturmflut erwartet, in Hamburg nach der Prognose des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) eine schwere Sturmflut mit Wasserständen von drei Metern über dem normalen Hochwasser in der Nacht zu Samstag. Der höchste Wasserstand werde wahrscheinlich zwischen 5.00 Uhr und 6.00 Uhr am Samstagmorgen erreicht, sagte Bernd Brügge vom BSH.

An der Nordseeküste spricht man von einer Sturmflut, wenn das Hochwasser mindestens 1,5 Meter höher als normal aufläuft. Von einer schweren oder sehr schweren Sturmflut wird erst ab Werten von 2,5 beziehungsweise 3,5 Meter gesprochen. Am frühen Freitagmorgen war der Fischmarkt in Hamburg-Altona bereits überspült worden. (dpa/fra)

Elbfähre frontal von Welle getroffen - Innenraum geflutet

Das Orkantief "Ylenia" sorgt für Hunderte Einsätze von Polizei und Feuerwehren. Zwei Autofahrer sterben. In Hamburg erwischt es eine Hafenfähre. Für Freitagmittag wird schon das nächste Orkantief - "Zeynep" genannt - erwartet.


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