Aus einem internen Bericht des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) geht hervor, dass die Polizei beim Kampf gegen Pädokriminelle im Netz massive Versäumnisse aufweist. So haben verschiedene Polizeikorps über Jahre hinweg keine solchen Fälle bearbeitet. Der Rückstand ist kaum mehr aufzuholen.

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Die Schweizer Polizei tut im Kampf gegen die Pädo-Kriminalität im Internet zu wenig: Mehrere Polizeikorps mussten über Jahre hinweg sämtliche pädokriminellen Internetfälle zurückstellen und befinden sich bei der Bearbeitung von Anzeigen in einem kaum mehr aufzuholenden Rückstand.

Das geht aus einer Fedpol-Umfrage unter den Polizeikorps hervor, die "blick.ch" vorliegt.

So könnten Täter gestoppt werden

Oft melden sich die Opfer aus Angst oder Scham nicht bei der Polizei. Verdachtsunabhängige Ermittlungen im Netz wären deshalb eines der wichtigsten Instrumente, um Pädo-Kriminalität zu verhindern.

"Aktive verdachtsunabhängige Internet­recherchen auf Bundes- oder Kantonsebene finden seit Jahren kaum oder gar nicht statt", steht jedoch in der Fedpol-Analyse.

Bericht nicht mehr aktuell

Ein weiteres Problem sei auch das kantonale Denken der Schweiz, während die Täter international agieren. "Warum sollte ein Kanton seine Ressourcen aufwenden, um einen nicht lokalisierten Verdächtigen zu ermitteln, der mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht im eigenen Zuständigkeitsgebiet operiert?", heisst es im Bericht.

Laut dem Bundesamt für Polizei ist die Analyse nicht mehr aktuell, obwohl sie erst im Sommer 2019 fertiggestellt wurde. Aus dem sogenannten Stabilisierungsprogramm des Bundes geht laut "blick.ch" jedoch hervor, dass zwischen 2017 und 2019 ausgerechnet im Bereich Pädo-Kriminalität gespart wurde.

"Wir kratzen nur an der Oberfläche"

Laut Stefan Blättler, Präsident der Konferenz der Schweizer Polizeikommandanten, ist ausserdem das Netzwerk Ermittlungsunterstützung zur Bekämpfung der digitalen Kriminalität aufgebaut worden. Dadurch hätten einzelne Korps nun Kompetenzen, um den Meldungen nachzugehen und eigene Ermittlungen zu tätigen.

Ende 2018 sagte Thomas Werner, Leiter der Abteilung Kinderschutz der Zürcher Stadtpolizei, jedoch zu "blick.ch": "Wir kratzen nur an der Oberfläche." Für eigene aktive Ermittlungen würden die Ressourcen fehlen. (tae)  © 1&1 Mail & Media / SN

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