Wie gefährlich sind Pestizide für die Gesundheit des Menschen? Nach einer erschreckenden Untersuchung klären Experten nun über gefährliche Pflanzenschutzmittel auf.

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Pflanzenschutzmittel geraten immer mehr in die Kritik. Eine Untersuchung des Magazins "Gesundheitstipp" hat laut "20min.ch" nun ein schockierendes Ergebnis geliefert.

Der Urin von insgesamt 30 Schweizern wurde auf 60 Pestizide untersucht. Bei jeder Person gab es Rückstände von fünf verschiedenen Pflanzenschutzmitteln. Der Urin einer 31-jährigen Frau aus Baden im Kanton Aargau hat insgesamt 17 Stoffe aufgewiesen, bei einem dreijährigen Jungen aus Zürich waren es elf.

Chlorpyrifos in allen Proben

In allen Proben konnte der Stoff Chlorpyrifos festgestellt werden. Dieser kommt in der Landwirtschaft etwa bei Zitrusfrüchten zum Einsatz. Ab Juli ist das Pestizid schweizweit verboten, in der EU bereits seit Februar.

Auch Glyphosat, ein Mittel zum Bekämpfen von Unkraut, kam in jeder dritten Probe vor, obwohl sich 13 der Probanden eine Woche vor dem Test vorwiegend biologisch ernährt haben.

"Das Problem ist der Cocktail-Effekt"

"Das Resultat zeigt, dass man sich den giftigen Stoffen nicht entziehen kann – selbst wenn man sich biologisch ernährt", beschreibt Biologe Caspar Bijleveld das erschreckende Ergebnis gegenüber "20min.ch". "Die Industrie bringt schnell neue Pflanzenschutzmittel auf den Markt. 20 Jahre später merkt man, dass sie doch gefährlich sind und nimmt sie vom Markt. Das läuft seit den 70er-Jahren."

Eine direkte Gefahr bestehe für die Probanden aufgrund der Rückstände nicht. "Das Problem ist der Cocktail-Effekt: Niemand weiss, ob sich die Stoffe im Zusammenspiel im Körper verstärken. Wir haben keine Ahnung, was die langfristigen Folgen sind oder ob diese Cocktails krebserregend sind, weil sie nie getestet wurden."

Der gleichen Meinung ist etwa auch Pestizidforscherin Joëlle Rüegg, Professorin an der schwedischen Universität Uppsala. "Die Menschen sind konstant einer zu hohen Gesamtmenge an Chemikalien ausgesetzt", wird sie von "20min.ch" aus dem "K-Tipp" zitiert. Für den Körper seien die vielen Substanzen gefährlich.

Rückstände gefährden Gesundheit nicht

Michael Arand vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich ist anderer Meinung: "Mit den heutigen Analysemethoden finden sie auch auf der Spitze des Säntis noch Spuren von Pestiziden im Schnee. Das heisst aber noch lange nicht, dass die tatsächlich schädlich für den menschlichen Organismus sind."

Die Bundesämter für Landwirtschaft und Veterinärwesen (BLV) pflichten Arand bei. Ein Nachweis von Pestiziden im Urin bedeute nicht direkt, dass die Gesundheit der betroffenen Probanden gefährdet sei. Die Rückstände im Urin habe man erwartet. "Die zulässigen Rückstandhöchstmengen sind rechtlich geregelt und die Konsumenten ausreichend vor verbotenen Pestiziden geschützt", versichert Eva van Beek vom BLV. (eee)  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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