Dem Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil wurde vom Bundesamt für Landwirtschaft offiziell die Zulassung entzogen. Das Fungizid darf mit sofortiger Wirkung nicht mehr verkauft werden.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Das Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil darf ab sofort nicht mehr in der Schweiz verkauft und ab 2020 auch nicht mehr genutzt werden. Der Grund: Das Fungizid wurde vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Das geht aus einer Mitteilung von Donnerstag hervor.

"Diese Einstufung basiert auf Befunden von Studien an Ratten, in denen Chlorothalonil zu Nierenkrebs führte, Daten im Menschen gibt es dazu nicht", wird Lothar Aicher vom Schweizerischen Zentrum für angewandte Humantoxikologie von "20min.ch" zitiert.

Rückstände in Trinkwasser entdeckt

Im Sommer hatten hohe Chlorothalonil-Rückstände im Trinkwasser bereits für Schlagzeilen gesorgt, woraufhin das BLW ein Verfahren zum Verbot eingeleitet hatte. Das Pflanzenschutzmittel selbst sei aber nicht im Trinkwasser vorzufinden, sondern nur die Abbauprodukte des Fungizids.

Doch eine Prüfung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) ergab, dass eine gesundheitsschädigende Wirkung dennoch nicht ausgeschlossen werden könne. Folglich seien alle Abbauprodukte im Grundwasser als relevant anzusehen. Damit ihr Vorkommen schnell reduziert wird, entzieht das BLW mit sofortiger Wirkung die Verkaufserlaubnis für Chlorothalonil-Produkte.

100 Wirkstoffe in Untersuchung

Um die Inhaltsstoffe älterer Pflanzenschutzmittel aus den 1970er- und 1980er-Jahren genauer unter die Lupe zu nehmen, hat der Bund 2010 ein Programm zur Überprüfung von alten Fungiziden eingeführt. Das Ziel war es, sicherzustellen, dass die Produkte noch immer die aktuellen Anforderungen an eine Bewilligung erfüllen.

Im Rahmen dieser Analyse konnten die als schädlich eingestuften Abbauprodukte von Chlorothalonil im Grundwasser ausfindig gemacht werden. Insgesamt wurden bis dato an die 100 Wirkstoffe untersucht. Dass einem Pflanzenschutzmittel aufgrund der Relevanz eines Abbauprodukts im Grundwasser die Zulassung entzogen wird, ist bisher ein einmaliger Fall. (eee)  © 1&1 Mail & Media / SN