Das Sammeln und Verarbeiten von Pilzen bringt zahlreiche Risiken mit sich. Einige Arten sind giftig und zum Verzehr alles andere als geeignet. In der Schweiz ist die Anzahl der Pilzvergiftungen in diesem Jahr so hoch wie noch nie.

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Die Herbstsaison ist eigentlich die ideale Zeit zum Sammeln von Pilzen. Doch birgt das Suchen und Pflücken vermeintlicher Steinpilze, Champignons und Co. auch grosse Gefahren.

Das grosse Problem sei die hohe Verwechslungsgefahr bei manchen Sorten, heisst es auf der Seite "blick.ch". Zum Beispiel sei ein grüner Knollenblätterpilz einem Champignon optisch zwar ähnlich, jedoch alles andere als essbar. Seine Giftstoffe können zu schweren Leberschäden oder gar zum Tod führen.

Kein Wunder, dass die Anzahl der Pilzvergiftungen immer weiter ansteigt. Die Zahlen in der Schweiz seien in diesem Jahr so hoch wie noch nie. Laut der "Tox Info Suisse" (Schweizerische Beratungsstelle für Vergiftungen) seien 2019 bereits über 650 Meldungen eingegangen. Das seien 150 Fälle mehr als im vorherigen Jahr.

Immer weniger Pilzkontrollstellen

Die zunehmende Anzahl der Vergiftungen sei aber auch auf einen weiteren Grund zurückzuführen: Immer mehr Pilzkontrollstellen würden aufgelöst. In der Schweiz würden nur noch etwas mehr als 300 Kontrollstationen existieren.

Darüber hinaus würden in den Kantonen unterschiedliche Regelungen herrschen, da sie seit 1992 nicht mehr dazu verpflichtet seien, für die Kontrollen zu sorgen. In Uri, Ob-und Nidwalden sind heute etwa keine Pilzkontrollstellen mehr anzufinden.

"Das ist eine ungünstige Situation", sagt Marionna Schlatter von der Schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane (Vapko) gegenüber "blick.ch". "Kantone oder Gemeinden entscheiden darüber, ob Kontrollstellen beibehalten werden oder nicht. Entfällt eine Kontrollpflicht, wird mehr an die Eigenverantwortung der Pilzler appelliert."

Eine nationale Regelung sei aus Schlatters Sicht sinnvoller. "Was wir heute vorfinden, ist kantonaler Wildwuchs." Da sich Kontrollstellen oft nicht in der Nähe der Sammler befinden, würden diese folglich auf die eigentlich notwendigen Analysen ihrer Ernte verzichten.

Pilz-Kenntnisse werden überschätzt

Auch Katharina Schenk, Pilzexpertin und Oberärztin bei "Tox Info Suisse", ist der Meinung, dass Pilzler immer die Kontrollstellen aufsuchen müssten, "egal, wie gut man die Pilze zu kennen glaubt."

Weiter erklärt sie, dass ein Zusammenhang zwischen den zunehmenden Vergiftungen und den zurückgehenden Kontrollstellen derzeit nicht belegbar sei. Auszuschliessen sei diese Annahme aber nicht.

Marionna Schlatter merkt zudem an, dass sich die Vapko seit Jahren für eine nationale Kontrollregelung stark mache und mit den Parlamentariern in Kontakt stehe. Der Bundesrat habe jedoch bis jetzt wenig Handlungsbedarf gesehen und schliesslich an die eigene Verantwortung der Sammler appelliert.

"Genau darin liegt das Problem", erklärt Katharina Schenk. "Gefährlich ist das Überschätzen der eigenen Kenntnisse. Deshalb können auch erfahrene Pilzler gefährdet sein. Sie wähnen sich in Sicherheit, bis sie sich dann nach dem Verzehr mit Beschwerden bei uns melden." (eee)  © 1&1 Mail & Media / SN

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