Es ist eine kleine Sensation in Kirchen-Kreisen: Die reformierte Kirche ist für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare – auf zivilrechtlicher Ebene.

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Die Delegierten des Kirchenbundes haben sich, wie Schweizer Medien übereinstimmend berichten, in Bern für die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare ausgesprochen. Mit 49 Ja- zu elf Nein-Stimmen ist die Entscheidung während der Abgeordnetenversammlung (AV) des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes am 5. November überraschend deutlich ausgefallen.

Erst im August dieses Jahres hatte sich der oberste Protestant, Gottfried Locher, in einem Interview offen für die "Ehe für alle" ausgesprochen.

Letztes Wort haben die Kantonalkirchen

Ratsmitglied Sabine Brändlin betonte zu Beginn der Diskussion, dass die reformierte Kirche mit ihrem Entscheid nicht länger warten dürfe. "Es geht darum, jetzt unsere Stimme in die gesellschaftliche Debatte einzubringen", sagte sie.

Der Antrag des Kirchenbundes sei zudem nicht bindend. "Der endgültige Entscheid über eine Einführung der Trauung liegt immer noch bei den Kantonalkirchen", so Brändlin.

Begriff der kirchlichen Trauung als Voraussetzung

Mit deutlicher Mehrheit sprachen sich die Abgeordneten auch für zwei weitere Anträge der Exekutive aus. Darin empfiehlt der Rat den Kantonalkirchen, den allfällig neuen zivilrechtlichen Ehebegriff für die kirchliche Trauung vorauszusetzen. Zudem soll die Gewissensfreiheit der Pfarrerinnen und Pfarrer bei kirchlichen Trauungen von gleichgeschlechtlichen Paaren gewahrt bleiben.

Gestrichen wurde dagegen eine Empfehlung, die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare in die Trauregister einzutragen und sie liturgisch gleich zu gestalten wie die Trauung heterosexueller Paare. Eine Mehrheit erachtete diese Empfehlung als überflüssig.

Nationalrat entscheidet im März

Hintergrund der Abstimmung in der AV ist eine parlamentarische Initiative der Grünliberalen, die den Gesetzgeber auffordert, alle rechtlich geregelten Lebensgemeinschaften für alle Paare zu öffnen – unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung. Die Debatte im Nationalrat wird voraussichtlich in der Frühlingssession 2020 beginnen. (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN

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