Freizeit vor Schule: Wer blaumacht, muss auf bestimmten Berufsschulen im Kanton Aargau mit Bussgeldern rechnen. In diesem Schuljahr haben Schwänzer bereits über 300.000 Franken Strafe gezahlt.

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Obwohl die Schule nach den Sommerferien erst seit einigen Wochen wieder läuft, ist bereits jetzt wieder Hochsaison für Schulschwänzer. Wer einer Lektion auf einigen Berufsschulen fernbleibt, kann inzwischen mit einer Busse belangt werden.

Wie die "Aargauer Zeitung" am Donnerstag berichtete, hat allein der Kanton Aargau während des Schuljahres 2018/2019 insgesamt über 300.000 Franken an Bussgeldern verdient. Auf den einzelnen Schüler heruntergerechnet macht das rund 17 Franken pro Jahr.

Berufsschule Aargau ist Spitzenreiter

Wie das Magazin des Schweizer Lehrverbands "Bildung Schweiz" berichtet, nimmt sich jeder dritte Schüler regelmässig eine Pause vom Unterricht. Die Berufsschule Aargau ist dabei "Spitzenreiter": Dort wurden 70.000 Franken alleine durch Bussen angehäuft, wie "Blick.ch" berichtet. Die kleinste Aargauer Berufsschule, das Berufsbildungszentrum Freiamt, nahm mit 15.000 Franken am wenigsten ein.

Die "Höchststrafe" wenn Schüler dem Unterricht fernbleiben, beträgt in Aargau pro verpasster Lektion 20 Franken. Doch auch Bussgelder sollen Schüler inzwischen nicht mehr am Blaumachen hindern.

Alternativen zu Bussen scheitern an Ressourcen

Von Gesetz wegen sind für die Schulen Alternativen zur Busse möglich. In der Verordnung über die Berufs- und Weiterbildung ist von "einer erzieherisch sinnvollen Tätigkeit" die Rede, die während der Freizeit der Lernenden absolviert werden muss. Nachsitzen scheitere jedoch oft an fehlenden Mitteln der Berufsschulen.

Dafür bräuchte es eine "Umorganisation seitens der Verantwortlichen der Berufsschulen", findet der Aargauer Grossrat Florian Vock - und ergänzt: "Wenn aber ein Schüler fehlt, weil er gesundheitliche, berufliche oder private Probleme hat, braucht es Unterstützung, aber sicher keine Bestrafung. Die Belastung für Berufsschüler wird immer grösser."

Nutzniesser der Bussen: Die Schüler!

Die Bussgelder kommen in den meisten Fällen übrigens den Lernenden zugute. So werden auf vielen Berufsschulen aus dem "Blaumachtopf" beispielsweise günstige Skitage, Theaterbesuche oder Sportwochen, Exkursionen oder auch Abschlussreisen finanziert. (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN