Es ist das grösste Hochwasserschutzprojekt der Schweiz: Der Nationalrat hat am Montag mehr als eine Milliarde Franken für die zweite Etappe der 3. Rhonekorrektion bewilligt. Insgesamt fliessen drei Milliarden Franken in den Mega-Umbau.

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162 Kilometer Flusslauf und 100.000 Menschen werden nach Abschluss der Umbaumassnahmen geschützt sein: Der Nationalrat hat am Montag 1,642 Milliarden Franken für die zweite Etappe der 3. Rhonekorrektion bewilligt.

Wie "bluewin.ch" berichtet, haben alle 181 Mitglieder des Nationalrates den Gesamtkredit ohne Gegenstimme befürwortet.

162 Kilometer Flusslauf werden grunderneuert

Es ist ein Umbauprojekt von riesigen Dimensionen: Die 3. Rhonekorrektion erstreckt sich über eine Länge von 162 Kilometern Flusslauf, von der Quelle bis zur Mündung in den Genfersee. Das Flussbett soll dort einerseits abgesenkt und vor allem zwischen Sitten und Martigny und im Chablais verbreitert werden.

Die dringlichsten Massnahmen bei der 3. Rhonekorrektion waren bereits in der ersten Etappe 2009 bis 2019 angepackt worden. Die zweite Etappe erstreckt sich nun über 20 Jahre von 2020 bis 2039. Bauherren sind die Kantone Waadt und Wallis, der Bund steuert aber 1,022 Milliarden Franken bei.

Ewiger Kampf gegen die Rhone

Seit Jahrhunderten versuchen die Kantone Waadt und Wallis, die Rhone zu zähmen. Eine erste Rhonekorrektion wurde Ende des 19. Jahrhunderts versucht. Viele der bestehenden Schutzbauten an der Rhone sind daher schon sehr alt.

Eine zweite Rhonekorrektion, die 1960 abgeschlossen wurde, sollte den Überschwemmungen in der Rhoneebene ein Ende bereiten. Die Hochwasser von 1987, 1993 und 2000 zeigten jedoch die Grenzen der Schutzbauten auf.

Hochwasserschutz und Verbesserung der Umweltqualität

Der Bundesrat schätzt deshalb, dass sich die Rekordausgaben bezahlt machen: Mögliche Hochwasserschäden im Umfang von zehn Milliarden Franken sollen durch die Rhonekorrektur verhindert werden.

Umweltministerin Simonetta Sommaruga erinnert im "SRF" an die verheerenden Hochwasser in der Rhoneebene vom Oktober 2000. Damals standen nicht nur Ackerland, sondern auch Chemieanlagen auf einer Fläche von über tausend Hektaren unter Wasser - 20 Menschen kamen ums Leben. "Das Hochwasser hat gezeigt, dass die Dämme in einem schlechten Zustand sind", so Sommaruga.

Daneben handelt es sich um ein Projekt zur Verbesserung der Umweltqualität. Unter anderem sollen im Zuge der 3. Rhonekorrektion die Wasserqualität erhalten und die Wasser- und Uferlebensräume geschützt und entwickelt werden.

Nach wie vor gibt es Kritik

Doch es gibt auch Gegner der Rhonekorrektur: Weil während des Umbaus beträchtliche Flächen Kulturland verloren gehen und die Landwirtschaft auch anderweitig betroffen ist, hatten die Bauernverbände und die SVP das Projekt bekämpft.

Der Bundesrat hat deswegen Ausgleichs- und Begleitmassnahmen im Umfang von 150 Millionen Franken vorgeschlagen. Dazu gehören etwa Strukturverbesserungen, Lösungen für existenziell bedrohte Betriebe oder Landumlegungen. (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN