Die Schulschliessungen wegen der Ausbreitung des Coronavirus bereiten erwerbstätigen Eltern Sorgen: Was sind die arbeitsrechtlichen Konsequenzen? Können Eltern zu Hause bleiben, um ihre Kinder zu betreuen?

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Ab Montag, den 16. März, werden die Schulen in der Schweiz bis zum 4. April geschlossen. Das hat der Bundesrat beschlossen, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Erwerbstätige Eltern stellen sich nun die Frage, wie sie die Betreuung ihrer Kinder sicherstellen können.

Wann besteht Lohnfortzahlungspflicht?

Im Arbeitsgesetz sind Schulschliessungen aufgrund einer Pandemie nicht vorgesehen, wie "blick.ch" berichtet. Der Arbeitnehmer habe lediglich drei Tage Anspruch für die eigene Betreuung seines Kindes, wenn dieses krank ist. Dann bestehe grundsätzlich auch Lohnfortzahlungspflicht.

Dabei gibt es jedoch ein Problem: Wenn die Schulschliessungen aufgrund einer Pandemie erfolgen, sind die Kinder nicht gleich krank. Der Arbeitsrechtler Thomas Geiser fordert: "Dennoch sollte der Anspruch auch in diesem Fall gelten, wenn das Kind unerwartet Betreuung braucht."

Schweizerischer Gewerkschaftsbund fordert Lohngarantie

"Eltern können sich nicht einfach auf den Standpunkt stellen, ihr Kind selbst betreuen zu wollen", betont der emeritierte Professor an der Uni St. Gallen. "Wenn der Arbeitnehmer innerhalb der Frist keine Betreuung organisiert und dann nicht zur Arbeit erscheint, obwohl der Arbeitgeber dann Anspruch darauf hat, ist dieser nicht zur Lohnzahlung verpflichtet."

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) appelliert an den Bundesrat, den Lohn für Eltern mit Betreuungspflichten zu garantieren. "Der Bundesrat muss bis Montag Massnahmen vorlegen", sagt SGB-Chefökonom Daniel Lampart. Sollte er dieser Forderung nicht nachkommen, würden die Schulen ein Betreuungsangebot zur Verfügung stellen.

Betreuungsangebot nur für Eltern, die in "systemrelevanten Bereichen" arbeiten

Ob Eltern ihre Kinder von der Schule betreuen lassen dürfen, hängt jedoch vom Kanton ab. In kleineren Kantonen sollte dies laut "blick.ch" möglich sein, in Städten wie Basel oder Winterthur sieht es jedoch anders aus.

Diese wollen das Betreuungsangebot der Schulen nur für Eltern gelten lassen, die in "systemrelevanten Bereichen", also zum Beispiel dem Gesundheitswesen, arbeiten.

Im Notfall gelte: "Ist die Betreuung durch den entsprechenden Elternteil derart notwendig, dass es sich aufgrund der Elternpflichten um eine gesetzliche Pflicht handelt, besteht eine Lohnfortzahlungspflicht, wie im Falle der eigenen Erkrankung", erklärt Thomas Geiser. (tae)  © 1&1 Mail & Media / SN

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