Eine muslimische Mutter wollte ihren zehnjährigen Sohn, der panische Angst vor Spritzen und Ärzten hat, beschneiden lassen. Das Zürcher Obergericht verwehrte der Mutter den Wunsch.

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Dürfen muslimische Eltern ihr Kind zu einer Beschneidung zwingen, obwohl ihr Sohn dagegen ist? Mit diesem Fall wurde das Zürcher Obergericht in zweiter Instanz betraut und entschied zugunsten des zehnjährigen Buben: Ihm wird der Eingriff erspart bleiben.

Beschneidung trotz Panik vor Ärzten?

Eine muslimische Mutter wollte ihren Buben, heute zehn Jahre alt, während der Sommerferien 2017 beschneiden lassen. Als Grund gibt sie an, dass ein weiteres Abwarten schlecht für seine Entwicklung sei. Sie fürchte zudem, er werde von anderen muslimischen Knaben gemobbt, weil sein Penis anders aussehe.

Doch der Junge hat panische Angst vor Spritzen und Eingriffen beim Arzt. In der Vergangenheit sei sogar eine Anpassung seiner Zahnspange abgebrochen worden, weil der Bub aus Panik begann, das Praxis-Mobiliar zu zerstören.

Ein Kinderpsychiater, der im Urteil zitiert wird, riet deshalb von einem "nicht notwendigen medizinischen Eingriff dringend ab", weil die Belastung für den Jungen unzumutbar sei. Wie "20min.ch" berichtet, sah das Gericht das Wohl des Kindes durch eine erzwungene Beschneidung deutlich gefährdet und schloss sich der Sichtweise des Psychiaters an. Eltern dürfen zwar über die religiöse Erziehung ihrer Kinder entscheiden, es gebe jedoch Grenzen.

Der Bub lebt gar nicht bei seiner Mutter

Zusätzlich dazu gebe es in diesem Fall noch erschwerte familiäre Gründe, der Mutter die Beschneidung zu verwehren. Der Bub lebt bereits seit einigen Jahren in einem Kinderheim, die Eltern sind geschieden. Die Mutter des Jungen bezieht Sozialhilfe.

Die Beiständin des Jungen aus dem Kinderheim wehrte sich bei der zuständigen KESB deswegen in erster Instanz entschieden gegen den Eingriff. Das Sorgerecht der Mutter wurde von KESB zusätzlich eingeschränkt. Diese jedoch sah sich nach wie vor im Recht und argumentierte, dass ihr Sohn das Trauma längst überwunden habe. Deswegen landete der Fall nach dem Bezirksrat überhaupt vor dem Zürcher Obergericht.

Der Junge soll später entscheiden

Der Richter hielt überdies fest, dass man abwarten müsse, bis der Junge selbst die nötige Urteilsfähigkeit habe. Er soll in ein paar Jahren entscheiden dürfen, ob ihm die Vorhaut ganz oder teilweise entfernt werde - oder gar nicht.

Obwohl die Mutter des Jungen nun auch in der zweiten Instanz gescheitert ist, muss die Staatskasse für die Verfahrenskosten aufkommen. Sie bezieht seit Jahren Sozialhilfe und könnte die Kosten niemals tilgen. (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN