Sexuelle Gewalt ist in der Schweiz weit verbreitet, wie eine aktuelle Studie ergeben hat. Besonders im Öffentlichen Verkehr werden Frauen sexuell belästigt. Die Dunkelziffer bei Vergewaltigungen ist hoch. Nur wenige möchten darüber reden.

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Sexuelle Gewalt und Belästigungen kommen in der Schweiz häufig vor, wie aus einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag von Amnesty International hervorgeht.

64 Prozent der rund 4.500 befragten Frauen hatten demnach angegeben, selbst Frauen zu kennen, die sexuell belästigt wurden. Doch auch viele Studienteilnehmerinnen selbst haben unterschiedliche Belästigungsformen erlebt.

Unerwünschte Berührungen weit verbreitet

Unerwünschte Berührungen, Umarmungen oder Küsse sind laut der Studie schon 59 Prozent der Frauen widerfahren. Doch auch sexuell suggestive Kommentare und Witze, einschüchterndes Anstarren und aufdringliche Kommentare über den eigenen Körper seien häufig genannt worden.

Zwölf Prozent hätten Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen erlebt. Das entspricht auf die weibliche Gesamtbevölkerung der Schweiz ab 16 Jahren hochgerechnet etwa 430.000 Frauen – also etwa der Anzahl der Einwohner in Zürich. Sieben Prozent seien mit Gewalt zum Sex gezwungen worden.

Auf der Strasse und im öffentlichen Verkehr seien sexuelle Belästigungen besonders verbreitet. Manche Männer setzten sich zu jungen Frauen, berührten sie oder machten anzügliche Bemerkungen.

Vorfälle passieren meist in unbegleiteten Zügen

Lucie Waser, Gleichstellungsbeauftragte des Verkehrspersonals (SEV), sagte "20min.ch", sie habe "die Vermutung, dass solche Vorfälle meist in Zügen passieren, die nicht begleitet werden".

Eine doppelte Begleitung in Zügen sei deshalb sehr wichtig: So könnten sich Frauen sicherer fühlen. Auch die schon vorhandene Videoüberwachung schrecke viele Täter ab.

Die Dunkelziffer im Vergleich zu strafrechtlich verfolgten Vergewaltigungen ist der Untersuchung zufolge sehr hoch: Etwa die Hälfte der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen hätte angegeben, mit niemandem über den Vorfall gesprochen zu haben.

Erschütternde Ergebnisse

Nur acht Prozent hätten Strafanzeige bei der Polizei erstattet. Die häufigsten Gründe, warum sich die betroffenen Frauen nicht an die Polizei gewendet haben, seien Scham und das Gefühl von Chancenlosigkeit.

"Die Ergebnisse der Umfrage sind erschütternd", wird Manon Schick, Geschäftsleiterin von Amnesty Schweiz, auf "Amnesty.ch" zitiert. "Sie decken auf, dass die in der Kriminalstatistik erfassten Fälle nur die Spitze des Eisbergs sind. Sexuelle Übergriffe bleiben in der Schweiz in den allermeisten Fällen unbestraft. Viele Vergewaltigungsopfer werden von Behörden und Justiz im Stich gelassen, während Täter ohne Strafe davonkommen." (tae)  © 1&1 Mail & Media / SN

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