Viel zu oft müssen echte Notrufe in der Schweiz warten, weil sinnlose Einsätze die Rettungskräfte blockieren. Das neueste Beispiel: Ein Zürcher alarmierte die Einsatzkräfte wegen eines extremen Falls von Männergrippe.

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96 Rettungsdienste leisten in der Schweiz aktuell mehr als 1.200 Einsätze pro Tag. Doch immer wieder werden Notfallsanitäter mit sinnlosen Anfragen geplagt. Ein 37-jähriger Zürcher kontaktierte den Notruf wegen starken Fiebers.

Doch was sich als möglicher Ernstfall andeutete, entpuppte sich als Bagatelle: Der Mann hatte mit 37,8 Grad Fieber nur erhöhte Temperatur.

Empfang mit Baby auf dem Arm

Auf seinem öffentlichen Blog berichtet Rettungssanitäter Toby Merkli viermal im Jahr aus seinem Alltag bei der Berufsfeuerwehr und beim Rettungsdienst. Der Vorfall habe sich, wie "20min.ch" Merkli zitiert, bereits Mitte September ereignet. Nachts um drei wurden er und seine Kollegen quer durch Zürich beordert.

Der Patient habe die Rettungskräfte mit einem knapp einjährigen Kind auf dem Arm empfangen, sich sehr schnell und noch mit dem Baby auf dem Arm in den Rettungswagen gesetzt und von seinem Fieber berichtet. Die Einsatzkräfte gaben das Kind der Mutter, um den Familienvater genauer zu untersuchen.

Dabei habe sich schnell herausgestellt, dass es sich anstatt um einen Notfall - etwa einen Fieberkrampf oder einen Infekt mit Temperaturen von 40 Grad und mehr - eher um eine "Männergrippe" handelte.

"Ich staunte nicht schlecht, als mir der junge Mann erzählte, dass er gestern Abend 38 Grad Fieber gehabt hätte, worauf er ein fiebersenkendes Medikament eingenommen hätte. Nun habe er wieder starkes Fieber. Ich mass seine Temperatur mit unserem Ohrthermometer – 37,8 Grad", schreibt Merkli auf seinem Blog.

Nach einer Aufklärung, dass es Schweizer gebe, die mit seinem "Fieber" noch arbeiten würden, entliess der Rettungsdienst den Mann zurück ins Bett.

114-Notruf ist für Notfälle gedacht

Immer wieder werden Rettungskräfte wegen solcher Bagatelleinsätze von tatsächlichen Notfällen abgehalten. Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium schreibt in seinem Bericht über Schweizer Rettungsdienste von einer Quote von knapp 30 Prozent.

Eliane Schlegel, Sprecherin bei Schutz & Rettung Zürich, sagt gegenüber "20min.ch", dass gerade dieser Fall im Blog veröffentlicht wurde, um künftige Sinnlos-Einsätze zu verhindern.

Sorgen, bei echten Notfällen keine Rettungskräfte zu bekommen, bräuchten sich die Bürger aber keine machen. "Glücklicherweise verfügen wir im ganzen Dispositionsgebiet über genügend Rettungsmittel, sodass regionale Engpässe meist durch benachbarte Rettungsdienste aufgefangen werden", so Schlegel. Die Versorgung innerhalb der Hauptstadt soll zukünftig durch zusätzliche Posten erweitert werden. (jkl)  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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