Snusen boomt in der Schweiz: Der Verkauf des Oraltabaks hat sich bei Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren in den letzten sechs Jahren verdreifacht. Gesundheitsexperten warnen jetzt vor Langzeitschäden.

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Snusen ist in aller Munde: Seit 2013 konsumieren laut Ergebnissen des Blauen Kreuzes 5,1 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren mindestens einmal wöchentlich Snus oder Schnupftabak.

2013 waren es nur 1,6 Prozent, wie "20min.ch" berichtet. Präventionsteams schlagen nun wegen der Verdreifachung Alarm.

Kein Rauch, dafür ein Rausch

Sie nehmen ein kleines Beutelchen aus einer Dose, schieben sich das Päckchen unter die Oberlippe - und warten auch mitten im Unterricht auf die kurzzeitig berauschende Wirkung.

Vor allem Snus, das ursprünglich aus Schweden stammt, findet laut Ergebnissen der Studie immer mehr junge Fans. Das Nikotin soll über die Mundschleimhaut viel stärker als beim Inhalieren von Zigarettenrauch ins zentrale Nervensystem gelangen. Der rauchfreie Tabak sei ausserdem unkompliziert einzunehmen.

Snus sei hip und ist mittlerweile sogar in verschiedenen Geschmacksrichtungen - von Himbeere bis hin zu Lavendel - erhältlich. Lasse die Wirkung nach, spuckt man den Tabak wieder aus.

"Im Gegensatz zum Schnupftabak ist Snus nicht nur in ländlichen Gebieten, sondern auch in Agglo-Gemeinden stark verbreitet", sagt Markus Wildermuth, Leiter Workshops vom Blauen Kreuz. Zusätzlich gelte Snus in der Sportwelt als Trenddroge.

Die Folge: Sucht, zerstörtes Zahnfleisch und erhöhtes Krebsrisiko

Experte Wildermuth warnt vor den gesundheitlichen Folgen für die jungen Erwachsenen. Neben Schäden am Zahnfleisch könne Snus zu einer starken Abhängigkeit führen und den Umstieg auf Tabakzigaretten begünstigen.

"Das Nikotin wird zwar langsamer abgegeben als bei einer Zigarette, doch die Dosis ist höher." Ein Beutel Snus habe die Wirkung von drei Zigaretten. Das Risiko für Langzeitschäden wie Mundkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder zu hohen Blutdruck sei wegen des Lutschtabaks ebenfalls höher.

Auch SP-Nationalrat Angelo Barrile warnt laut "nau.ch" vor dem Snusen: "Man weiss heute, dass die Entzugssymptome beim Kautabak viel stärker sind als beim Rauchen."

Wegen einer Gesetzeslücke erhältlich

Eigentlich ist Oraltabak schweizweit seit 1995 verboten. Trotzdem sind die Nikotin-Beutel an Kiosken bisher problemlos erhältlich, weil die Gesetzgebung bisher sehr widersprüchlich ist. Der Grund: Snus fällt wegen seiner Konsistenz in eine Gesetzeslücke und gilt somit als Kautabak.

Je nach Kanton beträgt die Altersgrenze bisher 16 oder 18 Jahre, wobei drei Kantone überhaupt kein Alterslimit kennen. Per Gesetz will der Bundesrat den Verkauf von Snus künftig landesweit an unter 18-Jährige verbieten. (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN

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