Die Medikamente für eine Krebsbehandlung sind teuer. Deswegen greifen viele Ärzte und Patienten auf sogenannte "off labels" zurück, also Medikamente, die offiziell (noch) nicht zugelassen sind. Die Kostengutsprachen von Krankenkassen für diese hängen aber oft vom Zufall ab, wie eine Studie jetzt zeigt.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Benjamin Kasenda vom Universitätsspital Basel und sein Team haben Akten gewälzt. Das Ziel: Herauszufinden, wie und wann Krankenkassen Kostengutsprachen für nicht zugelassene Krebs-Medikamente geben. Das Ergebnis ist nicht nur ernüchternd, sondern zeigt gleichzeitig ein massives Ungleichgewicht innerhalb der Krankenkassen.

Was sind Off-Label-Medikamente?

Gegenstand der Untersuchungen waren Patientenakten von 2013 bis 2018 der drei grossen Krebskliniken der Schweiz: Unispital Basel, Inselspital Bern und Kantonsspital St. Gallen. Dabei stellten Kasenda und sein Team fest, dass zur Behandlung von Krebs auch Medikamente der Kategorie "off label" eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um Mittel, die noch nicht für eine spezifische Krebsbehandlung zugelassen sind.

Das kann verschiedene Gründe haben: Zum einen kann es sein, dass das Bundesamt für Gesundheit (BAG) noch keinen Preis mit dem Hersteller aushandeln konnte oder aber, dass das Medikament für eine andere Krebsart zugelassen ist. So oder so kosten sie viel Geld, das aber nur in wenigen Fällen von den Krankenkassen kommt, wie Kasenda herausgefunden hat.

Nicht das Krankheitsbild ist entscheidend

Wie "srf.ch" berichtet, würden etwa ein Drittel aller Anfragen für Kostengutsprache von Krankenkassen abgelehnt. Erschwerend komme hinzu, dass wohl nicht die Aussichten auf einen Heilungserfolg entscheidend für eine Kostengutsprache seien. Die Entscheidung, ob Geld erstattet wird, erscheine laut Studienergebnissen vielmehr intransparent und zufällig, wie Kasenda angibt.

"Wir würden ja davon ausgehen, je besser die klinische Evidenz, je besser die wissenschaftliche Belegbarkeit der Effektivität, dass die Chancen steigen. So einen klaren Zusammenhang sehen wir momentan nicht", wird er von "srf.ch" zitiert. Ausserdem stellte das Team fest, dass Gesuche von Patientinnen und Patienten in der gleichen Krankheitssituation von den Kassen unterschiedlich beurteilt würden.

"Der Prozess muss standardisiert sein"

Sogar innerhalb von ein und derselben Krankenkasse gebe es unterschiedliche Entscheidungen zu Krankheitsbildern, die sich ähneln. Es scheint, als würde eine Entscheidung zufällig beziehungsweise willkürlich fallen.

Das sieht auch Kasenda so: "Momentan scheint es, dass die Krankenkassen ihre eigenen Kriterien haben, wie sie entscheiden. Wir denken, der Prozess muss standardisiert sein, dass alle Kassen nach den gleichen Kriterien beurteilen und dann ihren Beurteilungsprozess auch transparent machen." (kms)  © 1&1 Mail & Media / SN