Jedes Jahr sterben über 100.000 Rehkitze durch landwirtschaftliche Mähmaschinen. In Graubünden wurden deswegen im Frühling Drohnen eingesetzt, um die neu geborenen Tiere zu lokalisieren - mit Erfolg: Fast 450 Rehkitze konnten dank neuester Technik vor dem Tod gerettet werden.

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Jahr für Jahr sterben tausende junger Rehkitze in europäischen Wiesen durch die Schneidwerke und Mähmaschinen der Landwirtschaft. Im Frühjahr ist das Problem besonders gross: Junge Rehkitze verstecken sich zusammengekauert im hohen Gras der Felder und Wiesen und bleiben, einem inneren Instinkt folgend, auch bei dem Lärm der Mähmaschinen in ihrem Versteck. Dort werden sie dann unabsichtlich getötet.

Das ist nicht nur für Bauern entsetzlich: Wird ein Rehkitz überfahren, kann das Heu mit Botulinum-Toxinen kontaminiert werden. Wird es dann als Futtermittel für Kühe eingesetzt, kann das wiederum für die Tiere tödlich enden. Zudem können die Landwirte rechtlich für das Töten der Wildtiere mit Geldstrafen belangt werden.

Einsatz von Drohnen als Lösung

Abhilfe schaffen sollen Drohnen mit Wärmebildkameras, die Weiden und Wiesen aus der Vogelperspektive nach den neu geborenen Rehen absuchen. Bis zu 10.000 Quadratmeter in fünf Minuten kann eine solche Drohne abarbeiten. In Graubünden war der grossflächige Einsatz der Drohnen ein Erfolg, wie das Amt für Jagd und Fischerei am Mittwoch mitteilte. Das Projekt soll im Jahr 2020 deshalb auf weitere Regionen ausgedehnt und entsprechend mit weiteren Drohnen aufgestockt werden.

Ablauf der Suche mit Drohnen

Die Drohnen kommen bevorzugt vor Sonnenaufgang zum Einsatz, weil zu diesem Zeitpunkt die Temperaturunterschiede am grössten sind. Wurde ein Tier gesichtet, wird es auf einem Plan des Feldes markiert und kann geborgen werden. Dabei ist es sehr wichtig, die Kitze mit viel Gras in den Händen hochzuheben, damit sie keinen menschlichen Geruch aufnehmen. Sonst würden sie vom Muttertier verstossen oder von Fressfeinden entdeckt.

Die Tiere werden dann in Kartons oder Säcken an den Wiesenrand getragen und sofort nach den Mäharbeiten an der Fundstelle wieder freigelassen.

Suchaktionen mit 150 Piloten

Nach ersten erfolgreichen Versuchen 2018 im Unterengadin wurden für die Suchkampagne dieses Frühjahr 19 Drohnen angeschafft und 150 Piloten ausgebildet. Die Einsätze wurden von der zuständigen Sektion des BKPJV, dem jeweiligen Wildhüter und den Landwirten koordiniert. Die Drohnensuche soll bis auf Weiteres nur als Ergänzung zu den üblichen Methoden, wie Menschenketten, zum Einsatz kommen. (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN