Eine Schweinemast auf der Alp Manegorio in Airolo TI hat bei den Bewohnern im Dorf eine Diskussion ausgelöst. Die dort gehaltenen Alpschweine seien verantwortlich für Gestank und Gewässerverschmutzung. Der Kanton Tessin sowie die Betreiber reagieren.

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Auf der Alp Manegorio in Airolo TI werden Alpschweine der Linus Silvestri AG gehalten. Nachdem Dorfbewohner der Tageszeitung "Blick" über Gestank im Dorf und Verschmutzung des Flusses Ticino aufgrund der Tiere berichteten, hakte die Tageszeitung nach. Sowohl der Tessiner Kanton als auch die Betreiber haben nun eingelenkt.

Seit Jahren wehe ein fürchterlicher Gestank ins Dorf, und der Fluss schäume nach Regenfällen regelmässig auf, was für eine Gewässerverschmutzung spreche, erklärten Bewohner von Airolo gegenüber "Blick". Bei einer Recherche vor Ort habe die Zeitung die Beobachtungen bestätigen können.

Zu viele Schweine auf zu kleinem Platz

Auf dem ein Hektar grossen Land überschreite das Verhältnis des Kots und Urins der 240 gehaltenen Alpschweine zur Grösse der Fläche um das Vierfache, was zur Überdüngung der Böden führe.

Der Platzmangel führe auch dazu, dass den Schweinen zu wenige Liegeplätze zur Verfügung stehen, was gegen IP-Suisse-Richtlinien verstosse.

Das IP-Suisse-Gütesiegel, das die Marke "Linus Silvestri® Alpschwein" besitzt, legt besonderen Wert auf tierfreundliche Haltung, aber auch auf eine nachhaltige und umweltfreundliche Produktion sowie die Förderung von Biodiversität.

Kanton fordert Massnahmen

Auf "Blick"-Anfrage hat sich Mauro Veronesi, Chef des Amts für Gewässerschutz im Kanton Tessin, zu den Zuständen auf der Alp geäussert: "Wir haben bei einem Ortstermin festgestellt, dass es Probleme mit Überdüngung und einer fortschreitenden Erosion auf der Alp Manegorio gibt", sagte Veronesi.

Man habe darum den Produzenten aufgefordert, für das nächste Jahr Massnahmen zu ergreifen, um die Probleme zu beheben. Einerseits müsse der Standort für den Auslauf gewechselt werden. Der neue Standort dürfe dabei nicht mehr an steilen Orten liegen.

Um die Überdüngung in den Griff zu bekommen, dürften andererseits nicht mehr so viele Schweine auf die Alp zur Mästung gebracht werden. "Auch müssen bauliche Massnahmen getroffen werden, damit Gewässer nicht verschmutzt werden können", erklärte Veronesi.

Neue Richtlinien geplant

Auf die neuen Auflagen vom Kanton angesprochen, hat die Linus Silvestri AG die Probleme eingeräumt. "Einerseits ist der Güllenkasten für diese Anzahl Schweine zu klein, zudem ist das Gelände wegen der Erosionsgefahr nicht gut geeignet", sagt Geschäftsleitungsmitglied Jakob Spring der Zeitung.

Geschäftsführer Remo Ackermann sieht die Verantwortung für die Missstände beim Kanton: "Wir sind davon ausgegangen, dass sie korrekt und regelmässig kontrollieren."

Das Unternehmen hat "Blick" versichert, dass es für alle 65 Alpschwein-Produzenten neue Richtlinien herausgeben werde.

Die Schweinemäster müssten demnach einen Extranachweis vom Kanton vorlegen, der bestätigt, dass die Gewässerschutzgesetze eingehalten werden, sagte Ackermann und räumte ein: "Vielleicht haben wir dem Gewässerschutz bislang zu wenig Gewicht gegeben." (jom)  © 1&1 Mail & Media / SN

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