Den Arztbesuch solange aufschieben wie möglich? Das kann für Patienten schnell zur finanziellen Belastung werden, wie nun der aktuelle Gesundheitsmonitor zeigt.

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1.200 Schweizerinnen und Schweizer wurden im Auftrag des Pharmaverbands Interpharma befragt. Welche Finanzausgaben belasten sie? Welche Rechnungen stellen sie vor gelegentliche oder gar dauerhafte Probleme?

Die Auswertung des Gesundheitsmonitors zeigt: Fast die Hälfte aller Befragten gab an, mit anfallenden Gesundheitskosten zu kämpfen zu haben.

Noch vor den Mietzahlungen

Während als Ursache finanzieller Probleme die Krankenkassenprämien (34 Prozent) an erster Stelle genannt werden und die Steuern (26 Prozent) an zweiter Stelle, rangieren die Gesundheitskosten auf den darauffolgenden Plätzen.

26 Prozent der Befragten führen vor allem Zahnarztrechnungen als gelegentliches oder dauerhaftes Problem an. Die allgemeinen Arztrechnungen sowie die Ausgaben für Medikamente liegen mit 21 Prozent knapp dahinter.

Zum Vergleich: Die Miete für die Wohnung oder die Zinsen für eigenes Wohneigentum werden nur von 15 Prozent als problematische finanzielle Belastung angesehen.

Aufschub birgt Gefahr

Um Geld zu sparen, würden viele Patienten den Arztbesuch so lange wie möglich herauszögern, sagt Sébastien Mercier vom Verein Schuldenberatung Schweiz. "Steigen die Prämien weiterhin, fördert man den Verzicht auf medizinische Leistungen", sagt er "20min.ch".

Der Aufschub hat Folgen: Zumeist ist die Krankheit dann schon so weit fortgeschritten, dass die Behandlung nur noch kostspieliger ausfällt. Mercier führt vor Augen: "Viele Menschen in der Schweiz überschulden sich bereits jetzt wegen der Gesundheitskosten."

Besserung in Sicht?

Glaubt man den Prognosen der Branchenorganisation der Schweizer Krankenversicherer Santé Suisse, werden die Gesundheitsausgaben bis 2021 um weitere drei Prozent steigen.

Die Politik hat Lösungsvorschläge. So sieht beispielsweise Hausarzt und SP-Nationalrat Angelo Barrile in der Integrierung von Zahnarztbehandlungen in der Grundversicherung einen plausiblen Ansatz.

Auch die von der SP verlangte Prämien-Entlastungsinitiative könnte Abhilfe schaffen. Diese sieht vor, dass Schweizerinnen und Schweizer künftig nicht mehr als zehn Prozent ihres verfügbaren Einkommens für die Krankenkassenprämien bezahlen müssen. (cos)  © 1&1 Mail & Media / SN