Schweizer müssen für Medikamente oft tiefer in die Tasche greifen als EU-Bürger. Eine Erhebung des Krankenkassenverbandes zeigt nun erstmals auf, wie gross die Differenz der Medikamentenpreise tatsächlich ist.

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Der Krankenkassenverband Santésuisse hat in einem Bericht der "SonntagsZeitung" die Ergebnisse einer Erhebung veröffentlicht, die die Schweizer Arzneimittelpreise mit denen der EU vergleicht. Der Befund zeigt, dass sich die bereinigte Differenz auf 1,1 Milliarden Franken beläuft.

380 Franken zu viel Prämienkosten

Die teuren Medikamente wirken sich schliesslich auch auf die Krankenkassenprämien aus. Für eine vierköpfige Familie wäre demnach eine jährliche Prämienreduktion von rund 380 Franken möglich, wenn die Preise gleich günstig wie in den Vergleichsländern Dänemark, Deutschland, Niederlande, Grossbritannien, Österreich, Frankreich, Schweden, Belgien und Finnland wären.

Heinz Brand, Präsident der Santésuisse, fordert deshalb Massnahmen vom Bundesrat.

Pharmaverband lehnt Preisüberprüfung ab

"Man darf nicht länger dulden, dass viele Medikamente deren Patentschutz abgelaufen ist, bis zu 100 Prozent mehr kosten als im Ausland", sagte er der Zeitung. Gegenwehr bekommt Brand von der Pharmalobby, die eine Senkung der Preise ablehnt.

Anita Geiger, Sprecherin des Pharmaverbandes Interpharma, betont, dass eine jährliche Preisüberprüfung, wie Brand sie fordert, nicht realisierbar sei, da "der Aufwand für Behörden und Firmen verdreifacht würde und in keinem Verhältnis zu den erzielten Einsparungen" stünden. (jom)  © 1&1 Mail & Media / SN

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Eine Dokumentation enthüllt, wie einfach es ist, Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt zu bringen. Sie werden teilweise nicht geprüft, sodass es sogar ein Medikament geschafft hätte, das giftige Stoffe enthält. Vorschaubild: Getty Images / iStock