Die dramatische Notlandung eines Regierungsfliegers hat Konsequenzen. Nach SPIEGEL-Informationen diagnostizierte der Hersteller einen Totalschaden an der "Global5000". Die Bundeswehr wird den Jet ausmustern müssen.

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Nach der dramatischen Notlandung eines Regierungsflugzeugs im April muss die Bundeswehr die Maschine vom Typ "Global5000" ausmustern. Nach SPIEGEL-Informationen teilte der Hersteller dem Generalinspekteur der Bundeswehr kürzlich mit, dass an dem Jet ein Totalschaden vorliegt.

Dem Flugzeugbauer Bombardier zufolge wären die Reparaturkosten wegen der erheblichen Schäden an den Tragflächen und am Fahrwerk deutlich höher als der Marktwert des Jets.

Gravierende Mängel

Der Jet mit der militärischen Kennung 14+01 war am 16. April zu einem Probeflug nach einer routinemässigen Inspektion bei Bombardier in Berlin-Schönefeld abgehoben. Schon kurz nach dem Start verloren die Piloten die Kontrolle, da ein wichtiges Teil der Steuerung bei der Instandsetzung falsch installiert worden war. Bei der riskanten Notlandung verfehlte die "Global" zuerst die Landebahn, beide Tragflächen touchierten den Boden. Anschliessend schlitterte der Jet über den Rasen, rammte ein Hinweisschild und kam dann erst zum Stehen.

In den vier Monaten seither machten Techniker gravierende Schäden an der "Global" aus. Den Marktwert des Jets, der seit 2011 Teil der Regierungsflotte ist, taxiert Bombardier auf acht bis elf Millionen Euro. Eine Reparatur wäre teurer, da drei der vier Holme zur Aufhängung der Tragflächen und das komplette Fahrwerk ausgetauscht werden müssten. Eine solche Grundüberholung wäre zudem riskant, da viele Bauteile für die "Global" gar nicht mehr verfügbar sind.

Im Verteidigungsministerium plädieren die Fachleute wegen der Kostenschätzung dafür, den beschädigten Jet auszumustern. Abseits von der Frage der Wirtschaftlichkeit halten Fachleute eine Reparatur für nicht praktikabel. Demnach müsste der Jet nach einer solchen Instandsetzung in sehr viel kürzeren Intervallen gewartet werden als die anderen Flieger. Für die stark ausgelastete Flotte von Regierungsflugzeugen wäre ein solches Flugzeug kaum sinnvoll einsetzbar, so die Einschätzung.

Wer kommt für den Schaden auf?

Interessant dürfte nun die Frage werden, wer für den Schaden an dem Regierungsflieger aufkommt. Der Hersteller Bombardier hat eingestanden, dass seine Techniker in Berlin-Schönefeld ein entscheidendes Bauteil im Cockpit, im Fliegerjargon "torque tube assembly" genannt, falsch eingebaut haben. Das Bauteil ist zentral für die Steuerung. Vereinfacht gesagt gibt es Steuerbefehle der Piloten ans Ruder und die Störklappen auf den Tragflächen weiter.

Der fehlerhafte Einbau hatte dramatische Folgen: Die Klappen auf den Tragflächen reagierten wegen des Fehlers seitenverkehrt, die Piloten verloren die Kontrolle, zeitweise gingen sie in derartig steile Kurven, dass die Maschine mit Fliehkräften von über 5 G belastet wurde und ein Strömungsabriss drohte. In Industriekreisen hiess es, Bombardier werde wegen des Einbaufehlers den Totalschaden wohl bezahlen müssen, sei aber für solche Fälle versichert.

Der Ausfall der Maschine ist ein neuerlicher Rückschlag für die durch Pannen und Pech gebeutelte Flugbereitschaft der Bundeswehr. Die drei "Globals" der sogenannten Weissen Flotte sind für innerdeutsche und europäische Termine des Bundeskabinetts viel im Einsatz, gerade Bundeskanzlerin Angela Merkel nutzt die kleinen Jets gern und regelmässig. Eine durch ein Flughafenfahrzeug beschädigte Maschine des gleichen Typs war erst kürzlich aus der Reparatur gekommen.

Bundeswehr hält an der Lufthansa-Tochter als Wartungsunternehmen fest

Trotzdem kann die Luftwaffe auf Abhilfe hoffen, schon vor der Sommerpause hatte man drei neue Mittelstreckenmaschinen bestellt. Der erste Jet, eine "Global6000" von Bombardier, wird bereits in Kanada getestet und soll noch diese Woche an die Bundeswehr übergeben werden. Zwei weitere werden noch dieses Jahr erwartet. Die neuen "Globals" kommen zunächst in einer Business-Konfiguration und sollen später mit VIP-Kabinen und entsprechenden Sicherheitssystemen nachgerüstet werden.

Trotz der vielen öffentlichkeitswirksamen Pannen will die Bundeswehr an der Lufthansa als alleinigem Wartungsunternehmen für die Regierungsjets festhalten. Nach einer ganzen Reihe von Flugausfällen, allen voran dem Pannenflug von Kanzlerin Merkel zum G20-Gipfel in Buenos Aires 2018, hatte die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eine Prüfung angeordnet, ob es grundlegende Probleme bei der Wartung durch Lufthansa Technik gebe, einer Tochter des Konzerns.

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Die Prüfungen sind laut vertraulichen Papieren aus dem Wehrressort "weitgehend abgeschlossen". Bei den Untersuchungen seien "keine systemischen Probleme der Instandsetzung identifiziert" worden. Nun stehe "die Sicherstellung bruchfreier Informationsbeziehungen zwischen Nutzer, Instandhaltungsbetrieb und Flugzeughersteller" im Vordergrund. Bei der Bundeswehr heisst es dazu, man habe Lufthansa Technik sehr klar gemacht, dass es keine weiteren Pannen geben dürfe.  © SPIEGEL ONLINE