Höchststand in diesem Jahrtausend: Insgesamt verloren 38 Menschen in der Schweiz im Jahr 2018 ihr Leben bei einem Flugunfall. Ähnlich viele Gefahrensituationen im Luftraum gab es laut einer Statistik zuletzt vor 20 Jahren.

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Die Nachricht vom Absturz der Ju-52 am 4. August 2018 auf einer steinigen Flanke des Pia Segnas oberhalb von Flims GR schockierte die Schweizer Bevölkerung. Alle 20 Insassen starben bei dem Unglück. Doch sie sind nicht die einzigen Opfer, die 2018 bei einem Flugunfall ums Leben gekommen sind: 99 Schweizer Flugzeuge und Helikopter verunfallten oder erlebten einen gröberen Vorfall. Seit der Jahrtausendwende waren es noch nie so viele.

Unfallstatistik im Detail

Die Statistik des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl) hat die Zahlen vergangene Woche herausgegeben. Waren es im Jahr 2000 noch 74 Flugunfälle, so sank die Zahl im Jahr 2010 auf nur noch 45. Danach stieg die Anzahl wieder kontinuierlich an und erreichte ihren Höhepunkt im vergangenen Jahr. Während zwischen 2010 und 2017 im Schnitt 13 Personen ihr Leben lassen mussten, erreichte die Zahl im Jahr 2018 mit 38 Toten einen traurigen Höhepunkt.

Luftfahrtexperte: "Das kann kein Zufall sein"

Aviatiker schlagen aufgrund der aktuellen Zahlen Alarm - doch wo liegen die Ursachen für eine so drastische Zunahme der Unfälle? Im "Blick"-Interview geht Hansjörg Egger, Aviatiker und Mitglied der Vereinigung für Flugwissenschaften, auf Spurensuche. "Die Zunahme ist alarmierend. Das kann kein Zufall sein", ist sich Egger sicher - und sieht eine mögliche Ursache in den Sparmassnahmen der Luftfahrt. "Es gibt zu wenig Personal. Zu wenige Fluglotsen, zu wenige Piloten. Diese Leute stehen deshalb unter enormem Druck und sind gestresst."

Auch die Swiss musste im Jahr 2018 vermehrt Zwischenfälle registrieren. Insbesondere gefährliche Annäherungen mit Drohnen wurden verzeichnet. "Hier ist die Zunahme am deutlichsten zu spüren", so Swiss-Sprecherin Karin Müller zu "Blick".

Mehr Stress, mehr Risikobereitschaft

Zusätzlich sei der Luftverkehr so ausgelastet wie nie. "Je mehr Verkehr, desto aufmerksamer müssten die Piloten sein – eigentlich", sagt Egger. Doch genau hierbei liegt die Krux: Im kommerziellen Bereich seien die Piloten gestresst, privat wird dann nach einem zusätzlichen Nervenkitzel gesucht - und sich überschätzt.

"Heute sucht man nach dem Kick. [...] In der Fliegerei kann das sehr gefährlich werden, wenn man sich zu viel zumutet", resümiert der Aviatiker.

Das Bazl kündigte an, die Ursachen der verunfallten Flugzeuge und Helikopter in ihrer Gesamtheit noch einmal unter die Lupe zu nehmen, um so der möglichen Ursache für die erhöhten Zahlen auf die Schliche zu kommen. (jkl)  © 1&1 Mail & Media / SN

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