Beim Entladen von Getreide geriet ein Farmer in Nebraska mit dem Bein in eine Förderschnecke, die ihn immer tiefer in die Maschine zog. Er war allein, keine Hilfe in Sicht - es blieb nur ein Ausweg.

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Ein Routinejob, tausend Mal gemacht: Der Farmer Kurt Kaser füllte auf seinem Hof im US-Bundesstaat Nebraska Getreide in einen Silo. Der 63-Jährige stieg aus seinem Pick-up und über das Blech des Einfülltrichters - und rutschte ab.

Sein Fuss geriet in die Förderschnecke, die er noch nicht abgestellt hatte. So eine Schnecke funktioniert nach dem archimedischen Prinzip: Mit einer rotierenden Schraube befördert sie das Getreide in den höher gelegenen Silo.

Die Förderschnecke packte den Fuss, sie packte das Bein und zog Kaser immer tiefer in den Trichter.

Es blieb ihm nicht viel Zeit, seine Optionen zu sortieren:

Er kriegte das Bein nicht aus der Schnecke. Er kam nicht an den Knopf, um die Maschine abzustellen. Er kam nicht an sein Mobiltelefon. Er war allein auf dem Hof. Niemand konnte ihm helfen.

Die Maschine mahlte unerbittlich weiter und zerfleischte sein Bein. Gleich wirst du ohnmächtig, dachte er sich. Aber eine innere Stimme sagte ihm: Halte durch. Bleib wach. Gib nicht auf.

Fünf Minuten dauerte die Aktion

Er musste handeln, schnell. Zog sein Taschenmesser aus der Hosentasche. Und begann, sein Bein zu amputieren. "Ich merkte, wie ich Nerven durchtrennte", berichtete er später in einem Interview mit NBC News.

Er säbelte und hackte weiter, fünf lange Minuten, bis er frei war und sein Bein aus dem Trichter ziehen konnte. "Die Maschine liess mich los. Dann kroch ich rüber zum Haus." Noch einmal 50 Meter quälen. Dann erreichte er das Telefon. Ein Hubschrauber flog ihn ins nächste Krankenhaus.

Der Unfall passierte Ende April, inzwischen sitzt Kaser im Rollstuhl und versucht sich für ein Foto an einem Grinsen. Wie erklärt er sich seine Geistesgegenwart, diese Entschlossenheit?

"Ich habe nur getan, was ich konnte. Nur so geht es, habe ich mir gedacht. Und es hat funktioniert." Zweifel? Angst? Dafür blieb wahrscheinlich gar keine Zeit. Reportern von NBC News sagt er es so: "Ich bin ein Sturkopf. Ich gebe niemals auf."

Kasers Geschichte erinnert an die Qualen des US-Bergsteigers Aron Ralston. Der junge Ingenieur war 2003 bei einer Wanderung in einem einsamen Canyon in Utah von einem rutschenden Steinbrocken eingeklemmt worden. Fünf Tage hielt der Kletterer durch, bis er sich entschloss, den Arm unterhalb des Ellenbogens mit seinem Taschenmesser zu amputieren. Seine Erklärung später: Er hing mehr an seinem Leben als an seinem Arm.

Das würde Kurt Kaser wohl auch so unterschreiben.  © SPIEGEL ONLINE

Teaserbild: © Getty Images/iStockphoto