Alle Grossveranstaltungen sind bis zum 15. März in der Schweiz verboten. Durch die Massnahme soll das sich ausbreitende neuartige Coronavirus eingedämmt werden. Diese Auswirkungen hat der Beschluss für Veranstalter und Kunden.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Der Bundesrat hat die aktuelle Situation und die Ausbreitung des Coronavirus als "besondere Lage" gemäss Epidemiengesetz eingestuft. Infolgedessen wurden auch Grossveranstaltungen ab 1.000 Personen verboten – diese Regelung gilt bis mindestens 15. März.

Sowohl für Veranstalter als auch Kunden hat dieser Beschluss enorme Konsequenzen. Unter das Verbot fallen Veranstaltungen wie die Basler Fasnacht, das Sunice-Festival und der Genfer Auto-Salon. Abgesagt sind aber auch Konzerte, unter anderem das von AnnenMayKantereit im Zürcher Hallenstadion oder Halsey in der Samsung Hall in Dübendorf. Doch was passiert mit den bereits gekauften Tickets?

Bund erstattet bereits gekaufte Tickets nicht

Bundesrat Alain Berset erklärte laut "20min.ch" in einer Medienkonferenz, dass das Epidemiengesetz keine Haftungsregeln vorsehe. Wer nach dem Veranstaltungsverbot nun also ein wertloses Ticket besitze, werde durch den Bund nicht entschädigt.

Laut Ansicht von Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, sollten sich die Veranstalter grosszügig zeigen und den Kunden bereits gekaufte Tickets zurückerstatten. "Es kann nicht sein, dass die Konsumentinnen und Konsumenten allein für den Schaden geradestehen müssen", sagte sie.

Falls die Veranstalter nicht für die Tickets aufkommen, müsse der Bund dafür sorgen, dass Lösungen gefunden werden.

Veranstalter entscheidet über Rückerstattung

Der jeweilige Veranstalter entscheide laut Stefan Epli von Ticketcorner, ob Kunden nach abgesagten Veranstaltungen ihr Geld zurückerstattet bekommen. "Wir haben schon vor Tagen eine interne Taskforce eingesetzt und waren auf kurzfristige Verschiebungen oder Absagen von Veranstaltungen vorbereitet", erklärte er. Grundsätzlich suche man aber nach einem Ausweichtermin.

Denn mit dem Entscheid des Bundesrats würden die Events nicht abgesagt, sondern verschoben, bestätigte Christof Zogg von See Tickets Schweiz. "Die Tickets behalten ihre Gültigkeit", sagte er. Erst bei einer endgültigen Absage entscheide der Veranstalter über eine etwaige Rückerstattung. Die wirtschaftlichen Folgen seien noch nicht abschätzbar, aber für die Veranstalter "wohl leider erheblich".

"Wirtschaftliche Katastrophe": Finanzielle Auswirkungen für Veranstalter

Allein in der Samsung Hall in Zürich sind über 20.000 Konsumenten von dem Veranstaltungsverbot betroffen, wie Geschäftsleiterin Anke Stephan gegenüber dem Nachrichtenportal ausführte. "Für uns ist das eine wirtschaftliche Katastrophe", sagte sie. Sechs Veranstaltungen würden allein in der nächsten Woche ausfallen.

Es sei ein Novum, dass Veranstaltungen in der Schweiz wegen einer Epidemie nicht stattfinden können. Laut Stephan sei es deswegen unwahrscheinlich, dass jemand in der Veranstaltungsszene gegen eine solche Situation versichert sei.

"Wir finden den Entscheid nicht verhältnismässig", kritisierte sie. Der Unterschied zwischen einem Event mit unter 1.000 Besuchern und einem mit über 1.000 Besuchern ist ihr nicht klar. "Menschen treffen ja auch an anderen Orten aufeinander", erklärte Stephan.

Momentan schätzt sie den finanziellen Schaden auf mehrere 100.000 Franken. "Sollte sich das Verbot verlängern, müssten wir mit Millionenverlusten rechnen", sagte sie.

Der Bundesrat sei sich laut Alain Berset der grossen wirtschaftlichen Folgen bewusst. "Die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung geht aber vor", erklärte er. (tae)  © 1&1 Mail & Media / SN

Coronavirus in Italien: Leben in der Sperrzone

Die italienische Stadt Codogno wird mittlerweile schon als "das italienische Wuhan" bezeichnet. Wie ergeht es den Menschen in der unfreiwillen Quarantäne?