16-Jährige dürfen ab 2021 Töffs mit einer höheren Leistung fahren. Gänzlich begeistert zeigen sich von der Regeländerung jedoch nicht alle. Insbesondere Versicherungen befürchten nun mehr Verkehrsunfälle auf den Strassen.

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Ab 2021 dürfen 16-Jährige in der Schweiz Töffs mit einem Hubraum von 125 Kubikzentimetern (ccm) fahren. Das hat der Bundesrat vor etwa einem Jahr entschieden. Experten sowie die Versicherung Axa gehen nun davon aus, dass dadurch die Unfall-Rate rasant steigen wird. "Wir schätzen das Risiko eines 16-Jährigen, einen Unfall zu verursachen, höher ein als jenes von Fahrern über 18 Jahren", sagt Axa-Sprecherin Anna Ehrensperger gegenüber "20min.ch".

Bisher durften unter 18-Jährige lediglich ein Motorrad mit 50 ccm fahren. Mit der höheren Leistung steige auch das Unfallrisiko, ist sich die Versicherung sicher. Der gleichen Meinung sei auch die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). "Wir beurteilen die Herabsetzung des Mindestalters als problematisch", erklärt Sprecher Marc Kipfer. Motorradfahrer im Jugendalter würden bereits heute ein hohes Risiko für schwere Verkehrsunfälle mit sich bringen. Die BfU überlege nun, im Zusammenhang mit der neuen Regelung eine Kampagne ins Leben zu rufen.

Töffmesse startet ebenfalls Kampagne

Eine solche Aktion planen auch die Befürworter des herabgesetzten Mindestalters. Die Töffmesse Swiss-Moto wolle die Jugendlichen mit einer Bewegtbild-Kampagne auf Social Media begeistern und auf die neuen Möglichkeiten aufmerksam machen, sagt Kommunikationsleiter Andreas Sieber.

Ihre Kampagne, so Sieber, starte in der dritten Januar-Woche. Sie werde auf die Unabhängigkeit und das "konkurrenzlose Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zum ÖV" hinweisen. "Die Clips werden bewusst mit einer Prise Humor versehen", fügt der Kommunikationsleiter hinzu.

Die Branche bezweifle, dass es durch die Senkung des Mindestalters zu mehr Unfällen kommt. 16-Jährige dürften in den umliegenden Ländern bereits seit vielen Jahren mit 125-ccm-Töffs fahren, erklärt Markus Lehner von der Fachstelle Motorrad und Roller gegenüber "20min.ch". Die Beschränkung auf 15 PS gelte auch in der Schweiz.

Moderne Technik und einfache Bedienung

Laut Lehner seien die 125-ccm-Motorräder zudem auf dem modernsten technischen Stand und verfügen über eine einfache Bedienung. Bereits jetzt Voraussagen zu höheren Unfallzahlen zu treffen, sei nicht möglich. "Die wesentlich einfachere und sicherere Bedienung der moderneren 125-ccm-Maschinen im Vergleich zu bisherigen 50-ccm-Motorrädern spricht klar gegen einen übermässigen Anstieg der Unfallzahlen." Doch wie stehen eigentlich Fahrlehrer zu der Regeländerung?

"Ich erlebe die Jugendlichen als viel vernünftiger als früher", sagt Jürg Stalder, zuständig beim Verband für Motorräder. Laut Stalder würden die Meinungen von Fahrlehrern jedoch auseinander gehen. Während er der neuen Regelung optimistisch entgegentritt, würden andere ebenfalls mehr Unfälle befürchten.

Mehr Sicherheitsvorteile

Ein weiterer positiver Aspekt der neuen Töffs seien die zahlreichen Sicherheitsvorteile. "Sie müssen alle ein ABS haben. Zudem ist es mit ihnen möglich, im Verkehr mitzuhalten. Mit den 50er-Töffs bringt man es bergauf vielleicht auf 50 Kilometer pro Stunde und stellt dann ein Hindernis dar. Andererseits kann man bergab auch mit 50er-Töffs 90 Kilometer pro Stunde fahren – aber weder der Rahmen noch das Fahrwerk sind dafür ausgelegt", erklärt Stalder.

Darüber hinaus schnitten die 125er-Motorräder in Sachen Geruch und Lärmemission besser ab. Ausserdem würden Jugendliche auf dem Land, wo kein öffentlicher Verkehr herrsche, ein erschwingliches Fahrzeug benötigen, um zur Arbeit zu gelangen. Dadurch würden Töffs wieder attraktiver werden. "Bei den 50er-Töffs gab es in den letzten Jahren einen deutlichen Rückgang bei jugendlichen Fahrern. Vielleicht ändert sich das wieder." (eee)  © 1&1 Mail & Media / SN