Um Verspätungen wieder auszugleichen, streichen die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) kurzerhand Bahnhöfe. Die Behörden sowie Stadtpräsidentin Susanne Hartmann gehen dagegen vor.

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Die SBB sorgen derzeit für Ärger bei den Fahrgästen. Am vergangenen Samstag hat der Interregio 16 wegen einer Verspätung von 20 Minuten an den Bahnhöfen Brugg und Baden keinen Halt gemacht. Grund dafür sei laut der "Aargauer Zeitung" ein Zwischenfall ab Bern gewesen, weshalb der Zug nur mit gedrosselter Geschwindigkeit weiterfahren konnte.

Um an ihr Reiseziel zu gelangen, mussten die betroffenen Passagiere folglich einen Umstieg in Olten in Kauf nehmen – ein Ärgernis, finden diese. Die Behörden haben bereits eingegriffen.

Kein Einzelfall

Nicht zum ersten Mal ereignete sich bei den SBB ein solcher Vorfall. Ende Mai erging es den Fahrgästen des Intercity 1527, die am Abend von Zürich nach St. Gallen reisen wollten, ähnlich.

Nach einer Verspätung von etwa 15 Minuten wurden die Stationen Will, Uzwil, Flawil und Gossau glattweg gestrichen. Dies hatte zur Folge, dass die Passagiere in Winterthur umsteigen mussten. Letztendlich kamen sie 50 Minuten später an ihrem geplanten Zielort an.

Die SBB beziehen Stellung

Stadtpräsidentin Susanne Hartmann hatte sich nach dem Vorfall in Form eines Briefes an die SBB gewendet. Darin bat sie darum, den Halt im Bahnhof Wil künftig nicht mehr kurzerhand auszulassen.

"Uns ist bewusst, dass wir hin und wieder zu Massnahmen gezwungen sind, die sich direkt auf unsere Passagiere auswirken", antwortete Personenverkehrschef Toni Häne in einem Schreiben.

Jedoch müssten die SBB "stets das gesamte, dichte Verkehrsaufkommen im Blick haben", fügte er hinzu. Er begründete den Ausfall der Stationen des Intercitys damit, dass dieser ab dem Endbahnhof St. Gallen direkt nach Lausanne weiter verkehren musste. Damit keine weiteren Pendler durch die Verspätungen eingeschränkt werden, wurde auf die Haltestationen verzichtet.

Das kleinere Übel?

Vergleichbare Verhältnisse trugen sich auch am vergangenen Samstag zu. "Um eine Mehrheit der Reisenden pünktlich befördern zu können, mussten wir leider einer Minderheit das Umsteigen in Olten zumuten", so ein SBB-Sprecher.

Wie oft ein Zug letztendlich einen planmässigen Stopp auslasse, sei nicht bestimmbar. In Anbetracht dessen, dass pro Tag 1,2 Millionen Fahrgäste mit 9.000 Zügen reisen würden, sei es jedoch selten, dass zu solch drastischen Massnahmen gegriffen werde. (eee)  © 1&1 Mail & Media / SN