Rotkäppchen und Florena-Creme: Diese DDR-Produkte gibt es heute noch

Die meisten der rund 700 DDR-Marken fielen mit der Mauer. Einigen wenigen Produkte ist es jedoch gelungen, auch die westlichen Geschmäcker zu treffen. Diese Produkte sind neben Florena-Creme und Rotkäppchen-Sekt bis heute Kult. © spot on news

Ende der 50er-Jahre wurde der Chemiker Hans Zinn damit beauftragt, eine Cola für die DDR-Bevölkerung zu entwickeln, die dem Original sehr nahekommt. Es sollte ihm nicht ganz gelingen, doch entstand durch die Beigabe von Zitrusöl, Kokosnüssen, Vanille und Vitamin C der typische Vita-Cola-Geschmack. Die wachsende, deutschlandweite Fangemeinde schwört bis heute auf die "ostig-herbe Note": 2017 verzeichnete das Unternehmen einen Absatzrekord.
Schon zu DDR-Zeiten war der Bautzener Senf (alte Schreibweise) der beliebteste Senf des Landes. Doch stellte man sich darauf ein, dass die Wende auch das Ende für den Senf werden sollte. Glücklicherweise blieben Verbraucher dem Produkt weiter treu. 1992 kaufte ein Bayerisches Unternehmen die Werke, taufte den Senf in "Bautz'ner" um, war aber schlau genug, die Rezeptur im Wesentlichen beizubehalten. Heute werden pro Jahr mehr als 36 Millionen Becher verkauft.
Heute reiht er sich in jedem Supermarkt neben andere Schnapssorten in die Regale ein, doch auch zu DDR-Zeiten war der Pfefferminzschnaps von Goldene Aue schon ein Hit. Der quietschgrüne Likör durfte früher auf keiner Party zwischen Rostock und Chemnitz fehlen - und ist bis heute als "Pfeffi" angesagt.
Sie machen heute noch so süchtig wie damals – Zetti Knusperflocken, oder auch zerkrümeltes Knäckebrot mit Schokolade. Dabei hatte es der traditionsreiche Leipziger Süsswarenbetrieb nach der Wende alles andere als einfach. 1991 musste der Rechtsnachfolger (heute Goldeck Süsswaren GmbH) die Produktion teilweise stilllegen, es kam zu Umstrukturierungen und Schliessungen, bis man sich Ende der 90er-Jahre auf wenige Produkte konzentrierte. Darunter die besagten Knusperflocken ...
… sowie unter anderem die Schlager-Süsstafel. Dabei ist der DDR-Hit eigentlich ein Resultat der damaligen Rohstoffknappheit. Die krümelige Rezeptur aus Hartfett, Molke, Zucker und Erdnüssen hatte wenig mit echter Schokolade zu tun. Mittlerweile wurde der Kakao-Anteil von sieben auf 32 Prozent erhöht, sodass die Tafel heute deutlich schokoladiger schmecken will. Dennoch bleibt die Schlager-Süsstafel Kult, genau wie die Verpackung, die als Musterbeispiel des DDR-Industriedesigns gilt.
Was im Westen Pril heisst, war im Osten Fit: Die beiden Marken haben es geschafft, zum Gattungsnamen für das Produkt Spülmittel zu werden.
Sie halten Hasseröder für das Bier, mit dem sich jenseits der Mauer am häufigsten zugeprostet wurde? Die Wahrheit ist: Ja, auch diese Marke gab es, doch war sie früher kaum mehr als eine lokale Grösse rund um Magdeburg. Der Durchbruch kam, nachdem die Mauer längst gefallen war. Lübzer Pils dagegen, das Bier aus Mecklenburg, floss sowohl im Osten als auch schon damals im Westen. Die Lübzer Brauerei besass übrigens auch die einzige Dosenabfüllanlage der DDR und ist bis heute beliebt.
Die Hautcreme mit dem blumigen Namen schrieb bereits ab 1920 Erfolgsgeschichte. Zu DDR-Zeiten galt Florena als grosser Luxus, sodass die Lieferungen geschützt werden mussten, um Plünderungen zu vermeiden. Als Florena 1960 in der blau-weissen Dose herauskam, prozessierte Beiersdorf als Nivea-Hersteller gegen das Design – ohne Erfolg. Nach der Wende florierte Florena weiter und auch Baiersdorf beendete seinen Gram, indem es die DDR-Marke 2002 komplett aufkaufte. Heute verlassen monatlich rund 1,5 Millionen Florena-Produkte das Werk in Waldheim.
Bereits 1804 wurde Halloren in Halle an der Saale gegründet und ist somit Deutschlands älteste Schokoladenfabrik. Der Schokoladenhersteller musste jedoch schwere Zeiten überwinden: Im Zweiten Weltkrieg wurden in den Produktionshallen der Fabrik vorübergehend Flugzeugteile hergestellt, fünf Jahre nach Kriegsende wurde die Firma enteignet, 1990 privatisiert. Doch die Firma kämpfte sich durch und ging 2007 sogar an die Börse - mit Erfolg. Bis heute sorgt die Firma für einen Rekordumsatz nach dem anderen.
Eigentlich wurde vor der DDR-Zeit im Waschmittelwerk Genthin Persil produziert, doch verlangte Henkel nach der Enteignung, dass unter diesem Namen nicht mehr hergestellt werden darf. So entstand Spee, was für Spezial-Entwicklung steht. Nach der Wiedervereinigung bekam Henkel sein altes Werk zurück, behielt aber den Namen Spee für eine günstigere Waschmittellinie.
Die Westkinder schleckten Nutella, die Ostkinder bekamen Nudossi aufs Brot. Dementsprechend als "uncool" galt auch nach der Wende das weitaus weniger nussige und schokoladige Ost-Produkt. Die Produktion wurde eingestellt, man feilte aber offenbar im Hinterzimmer an einem fulminanten Comeback. 1999 erschien Nudossi wieder in den Regalen, mit "moderner" Rezeptur, aber auch mit ganz viel "Ostalgie". Das Konzept ging auf. Heute werden täglich sechs Tonnen Nudossi produziert.
Im Westen hätten wir verzweifelt ein Ham- oder Cheese- vor dem Namen gesucht. Im Osten war Burger auch so in aller Munde – als Knäckebrot der DDR. Die Bezeichnung bekam das Brot wegen seines Produktionsortes, Burg bei Magdeburg. Die dortigen Knäcke-Werke waren 1930 die ersten in Deutschland. Bis heute wird dort der Teig angerührt – und das fertige Brot in etliche Länder exportiert.
Vielleicht hätten es die Spreewaldgurken weniger erfolgreich "in den Westen" geschafft, hätte es den Film "Goodbye Lenin" (2003) nicht gegeben. Darin hat der Hauptheld bereits kurz vor der Wende Schwierigkeiten, die heissgeliebten Gurken für seine Mutter aufzutreiben, um ihr weiterhin eine heile DDR-Welt vorgaukeln zu können. Heute werden die in Dill und Kräuter eingelegten Gurken unter dem Markennamen "Spreewaldhof" vertrieben.
Wahrlich ein Grund anzustossen – die Marke Rotkäppchen aus dem Saale-Unstrut-Weinanbaugebiet ist mit Abstand der populärste Ost-Export. Die Sektkorken knallten bereits 1885 zum ersten Mal, 1894 wurde dem Schaumwein die rote Kappe verpasst. 1948 folgte die Enteignung, 1990 stand das Unternehmen vor einem Trümmerhaufen. Mutige Unternehmer schafften es jedoch, das Image wieder aufzupäppeln. Seit 2001 ist Rotkäppchen der meistverkaufte Sekt Deutschlands.