Vor 30 Jahren: Die Annexion Kuwaits und die Folgen des Zweiten Golfkrieges

Mit der Eroberung Kuwaits durch den Irak 1990 begann der Zweite Golfkrieg. Damals drohte der Irak unter Führung des Diktators Saddam Hussein mit einem Angriff und annektierte Kuwait am 28. August 1990. Die Folgen und Auswirkungen spürt die ganze Region bis heute. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde der Staat Irak gegründet. Das Emirat Kuwait, das seit 1961 unabhängig von Grossbritannien (Soldaten links im Bild) ist, gehörte aber nie zum Irak. Immer wiederkehrende Grenzstreitigkeiten und Konflikte um Ölfelder sorgten für Spannungen.
Dazu kam: Der Irak war seit Ende des Ersten Golfkriegs (auch Iran-Irakkrieg) hochverschuldet. Iraks Präsident Saddam Hussein (1937-2006) warf dem reichen Nachbarn Kuwait vor, für den niedrigen Ölpreis mitverantwortlich zu sein und die eigene Ölproduktion auf Kosten des Iraks auszubauen.
Die dadurch entstandenen Verluste in Höhe von 14 Milliarden US-Dollar forderte der Irak ein und drohte Kuwait, diese, wenn nötig, militärisch durchzusetzen.
Am 2. August 1990 griff der Irak mit etwa 100.000 Soldaten Kuwait an und gewann strategische Gebiete, einschliesslich des Palastes des Emirs.
Scheich Jaber Al Ahmad Al Sabah floh mit seiner Familie nach Saudi-Arabien. Soldaten plünderten und übernahmen die Medien des Landes.
Die Vereinten Nationen sahen die globale Energieversorgung in Gefahr und Handlungsbedarf: Innerhalb weniger Stunden nach Beginn der Invasion verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 660. Diese verurteilte die Invasion und verlangte einen Rückzug der irakischen Truppen.
Am 6. August verhängte der UN-Sicherheitsrat ein Wirtschafts-, Finanz- und Militärembargo gegen den Irak, wodurch der hiesige Rohölexport zum Erliegen kam.
Nun griff auch die USA ins Geschehen ein. Präsident George H. W. Bush kündigte am 8. August 1990 eine "insgesamt defensive" Militäraktion an.
Operation "Wüstenschild" ("Desert Shield") startete in Saudi Arabien, das zuvor die Vereinigten Staaten um Beistand gebeten hatte. Hier spricht der damalige US-amerikanische Verteidigungsminister Richard Cheney zu US-Marines in Ost-Saudi-Arabien.
Am 28. August 1990 erklärte der Irak Kuwait offiziell zu seiner 19. Provinz. Auf Druck der USA verabschiedeten die UN-Mitgliedsstaaten im November schliesslich Resolution 678, die die Staaten ermächtigte "alle notwendigen Mittel" einzusetzen, falls der Irak nicht alle vorherigen Resolutionsforderungen, darunter den Abzug aus Kuwait, erfüllen würde.
Nach Ablauf des Ultimatums folgte die Aktion "Wüstensturm" (“Desert Storm“): Die alliierten Truppen griffen in der Nacht zum 17. Januar 1991 den Irak und irakische Streitkräfte in Kuwait aus der Luft an.
Die Koalitionsstreitkräfte flogen in den ersten 20 Stunden mit über 750 Kampfflugzeugen und Bombern rund 1.300 Angriffe auf Ziele im Irak.
Durch die Bombardements der Alliierten gingen die Ölfelder in Flammen auf, was sich zu einer Umweltkatastrophe ausweitete. Verheerend für die Menschen: Kläranlangen wurden zerstört und so floss Abwasser direkt in den Tigris, aus dem die Leute ihr Wasser schöpften.
Am 28. Februar, einen Tag nach Einnahme der Hauptstadt Kuwait City, erkannte der Irak die UN-Resolutionen an und US-Präsident Bush verkündete eine Waffenruhe. Die irakischen Truppen hatten am 26. Februar mit dem Rückzug aus Kuwait begonnen.
Der Krieg dauerte "nur" etwa sechs Wochen. Mehr als 500.000 irakische Soldatinnen und Soldaten waren beteiligt. Genaue Opferzahlen sind umstritten. Nähere Angaben gibt es nur für die Opfer und Verluste der Streitkräfte der Alliierten.
Ein Bericht der Nichtregierungsorganisation Medact geht von bis zu 200.000 militärischen und zivilen Todesopfern aus.
Bis heute kämpft das Land mit wirtschaftlichen Problemen, die infolge des Embargos entstanden sind, das bis zum Sturz Saddam Husseins 2003 fortbestand.
Viele Soldaten der Koalition berichteten ausserdem über Krankheiten (Gedächtnisprobleme, Diarrhöe, Sehstörungen etc.), die ihrer Teilnahme am Golfkrieg folgten: Ein Phänomen, das als Golfkriegssyndrom bekannt wurde. Geschosse, die aus schwach radioaktivem Uran bestehen und eingesetzt wurden, werden von vielen Quellen für die Symptome verantwortlich gemacht.
Nach einem schrittweisen Abzug der US-Truppen im Irak kehrten Truppen ab 2014 zum Kampf gegen den IS zurück. Seitdem fordert das irakische Parlament den vollständigen Abzug.