Der Journalist Nicolas Henin wurde vom sogenannten "Islamischen Staat" zehn Monate lang als Geisel gehalten. In einem Interview spricht der Franzose darüber, wie die Terrormiliz zu besiegen ist - und welche Fehler aktuell im Kampf gegen den IS begangen werden.

Am Donnerstagmorgen hat Grossbritannien angefangen, Luftangriffe gegen den sogenannten "Islamischen Staat" zu fliegen.

Der französische Journalist Nicolas Henin hält davon nichts. "Angriffe auf den IS sind eine Falle", mahnt er in einem Interview mit der gemeinnützigen Organisation "The Syria Campaign", das im britischen "Independent" abgedruckt wurde.

Der Gewinner dieses Krieges werde nicht die Seite sein, die die neuesten, teuersten und komplexesten Waffen besitzt, sondern die, die es schafft, die Menschen auf ihre Seite zu ziehen, glaubt Henin.

Dass viele Syrer und Iraker nach Europa - in der Vorstellungen des IS "Länder der Ungläubigen" - fliehen, sei ein "Schlag für den IS" gewesen.

"Darum hat er (der IS, Anm. d. Red.) wahrscheinlich versucht, die Öffentlichkeit während der Terroranschläge in Paris zu manipulieren", sagt Henin: "Damit wir die Grenzen schliessen und, vielleicht noch wichtiger, unseren Verstand abschalten."

Nicolas Henin: Bombardements stärken den IS

Die Bombardements der Koalition würde die Terrormiliz nicht schwächen, glaubt Henin. Vielmehr würden die Bomben viele Menschen in die Hände der Dschihadisten treiben.

Viel wichtiger sei es laut des Journalisten, dass die Menschen in den Krisenregionen an eine politische Lösung glauben - dann würde der IS kollabieren.

"Es gibt eine einfache Möglichkeit, dass der IS sehr schnell sehr grosse Gebiete verliert", sagt Henin und erklärt: "Die internationale Gemeinschaft muss sich dafür entscheiden, dass über allen Gebieten, die von der syrischen Opposition kontrolliert werden, der Luftraum gesperrt wird."

Für den IS, so ist sich Henin sicher, wäre es verheerend, wenn den Menschen in Syrien und Irak das Gefühl von Sicherheit vermittelt werden würde. (tfr)

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