Mitten in den syrischen Bürgerkrieg mischt sich nun der internationale Kampf gegen den sogenannten "Islamischer Staat". In Syrien greifen zahlreiche Konfliktparteien zu den Waffen. Es gibt die Vermutung, dass die Unübersichtlichkeit und verschiedenen Interessen letztlich Diktator Baschar al-Assad nutzen.

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien 2011 attackieren sich zahlreiche Akteure an immer neuen Fronten.

Rebellentruppen werden in ihrem Kampf gegen Präsident Baschar al-Assad indirekt von islamistischen Gruppen unterstützt, nur um kurz darauf wieder selbst in deren Visier zu geraten.

In Syrien vermischen sich Konflikte und Interessen. Wer will was und warum?

Auch das Verhältnis von Assad zur Terrormiliz "Islamischer Staat" wirft Fragen auf.

Assads Herrschaft stabilisiert sich

Immerhin hat der Aufstieg des IS im Osten und Norden des Landes bislang nicht zu Assads Entmachtung geführt. Ganz im Gegenteil: Seine Herrschaft scheint sich zumindest von Damaskus über Homs bis nach Hama wieder zu stabilisieren.

Als einer der Hauptgründe hierfür gilt die Rolle, die der IS mittlerweile in der Region spielt.

Vielerorts wurden die Terroristen zum Feind Nummer eins erklärt. Neben den Kurden gehen nicht nur die Anhänger der Freien Syrischen Armee sowie von Saudi-Arabien und Katar geförderte Milizen gegen den IS vor, sondern auch die irakische Armee und mit ihr verbündete Stämme.

Dass das syrische Regime aber von den gewalttätigen Auseinandersetzungen seiner Widersacher profitiert, bezweifelt Michael Brzoska, wissenschaftlicher Direktor am Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik.

"Das Auftreten des IS hat die Position Assads eher geschwächt als gestärkt."

Assads Truppen werden von verschiedenen Oppositionskräften im Land bedrängt. Deshalb habe der syrische Diktator kein besonders grosses Interesse, ausgerechnet gegen den IS verstärkt vorzugehen, so Brzoska.

Laut Ex-General Kujat ist der IS rein militärisch kaum zu besiegen.

Auch wenn sich dessen Kampfstärke vor allem durch ausländische IS-Kämpfer erhöht haben soll.

Akteure verfolgen Eigeninteresse

Dass sich gleichzeitig auch das Engagement ausländischer Konfliktparteien zugunsten Assads verstärkt hat, ist für den Diktator nur indirekt ein Vorteil.

Schiitische Akteure wie der Iran und die libanesische Hisbollah gehen in erster Linie aus Eigeninteresse gegen den sunnitischen IS vor. Nicht, weil ihnen der alawitische Assad-Clan am Herzen liegt.

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge soll der Iran längst die komplette Kriegsführung in Syrien übernommen haben.

An der Front befehlen demnach iranische Offiziere. Auf dem Schlachtfeld wiederum haben die Hisbollah und Brigaden aus dem Irak das Sagen.

Da Assads Machtposition im Innern bedroht ist, kann ihm die Unterstützung von aussen nur recht sein. Die Moral der syrischen Truppen sei am Tiefpunkt angelangt, sagt der Kieler Politikprofessor und Syrien-Experte Joachim Krause.

Die Intervention Russlands trägt kaum zu einer entscheidenden Trendwende bei. "Die syrischen Truppen schaffen es nicht, die durch die russischen Bombardements möglichen Geländegewinne zu nutzen", so Krause.

Laut Karl-Heinz Kamp, Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, lässt sich Wladimir Putins Motivation, im Syrien-Konflikt zu intervenieren, an eindeutigen Interessen festmachen.

"Russland hat sich zuallererst militärisch in Syrien engagiert, um Assads Regime zu erhalten, weil dies wiederum Garant für den Erhalt der russischen Militärbasen ist."

Also werden sämtliche Regimegegner angegriffen. Dass dabei mitunter Fassbomben Zivilisten töten, nimmt Moskau wissentlich in Kauf.

Inwieweit Assad selbst noch Einfluss auf die Entwicklung in Syrien hat, ist ungewiss. Fast scheint es, als fungiere er nur noch als Spielfigur – und Syrien als Schachbrett, auf dem Russland, die USA sowie Saudi-Arabien, der Iran und die Türkei ihre eigenen Interessen verfolgen.

Kein Zurück mit Assad

Für Kamp steht in jedem Fall fest: "Ein Zurück zu einem Gesamt-Syrien unter Assads Führung kann es nicht geben." Aus Sicht des Westens kommt Assad nicht einmal als Partner im Kampf gegen den islamistischen Terror in Frage.

US-Präsident Barack Obama hat sich zuletzt im September erneut von Assad distanziert, bezeichnete ihn als "Tyrannen".

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte eine Zusammenarbeit der internationalen Allianz mit syrischen Regierungstruppen dagegen für möglich gehalten, wich kurz darauf aber von ihrer Position ab.

Jetzt heisst es: "Es wird keine Zusammenarbeit mit Truppen unter dem Kommando Assads geben."

Geändert hat sich seit den Anschlägen in Paris auch die deutsche Haltung in Bezug auf eine militärische Einmischung in den Konflikt.

Der Bundestag wird aller Voraussicht nach der Entscheidung der Bundesregierung zustimmen, 1.200 Bundeswehrsoldaten nach Syrien zu schicken.

Waffenstillstand durch Waffengewalt

Dass die nötige völkerrechtliche Basis fehle, wie Kritiker sagen, bestritt von der Leyen. Die rechtliche Grundlage sei "sicher", sagte sie dem Deutschlandfunk.

Geht es nach dem in Wien angestossenen Friedensplan, soll das deutsche Engagement allerdings zunächst nur der Aufklärung dienen.

Politikprofessor Krause betrachtet die westliche Strategie, einen Waffenstillstand in Syrien mit Waffengewalt herbeizuführen, mit Sorge.

"Ich befürchte, dass als Nebenprodukt der Verhandlungen die Zerstörung der moderaten Opposition durch russische Bombenangriffe akzeptiert und dadurch der Vormarsch des IS eher gefördert wird."

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